: Politik mit Wasser im Kalten Krieg auf Zypern
■ Gewaltige Ballons mit Wasser aus der Türkei sollen die Trockenheit im türkisch besetzten Teil der Insel bekämpfen. Im Propagandakrieg mit den Griechen macht Ankara einen Pluspunkt
Berlin (taz) – Die Ankunft eines riesigen Wasserballons wurde am Samstag in der zypriotischen Kleinstadt Morfu frenetisch bejubelt. Der türkische Präsident Süleyman Demirel war extra in den türkisch besetzten Teil der Insel gereist, um per Knopfdruck den ersten Wasserstrahl auszulösen. In Zukunft sollen die von Schiffen geschleppten zigarrenförmigen, jeweils 10.000 Kubikmeter fassenden Ballons dreimal wöchentlich türkisches Wasser vom Festland nach Nordzypern transportieren und so die dramatische Wasserknappheit beheben helfen. Jährlich sollen es sieben Millionen Tonnen Wasser werden.
Türkische und zyperntürkische Politiker sehen das feuchte Ereignis als Wendepunkt in den Beziehungen, beweise der Wassertransport doch, daß dieses wichtige Problem ohne die griechischen Zyprioten gelöst werden könne. Die Beziehungen zwischen der Türkei und dem türkischen Teil Zyperns seien stärker als jede Bedrohung, erklärte Demirel während der Zeremonie. Es war der erste offizielle Besuch eines türkischen Präsidenten in der nur von Ankara anerkannten „Türkischen Republik Nordzypern“, der entsprechende Proteste aus der südlichen Republik Zypern auslöste.
Demirel nutzte die Ankunft der ersten Wasserlieferung, um den Propagandakrieg zwischen Nord und Süd weiter anzuheizen. Er erklärte, die Türkei werde die geplante Stationierung russischer S-300-Flugabwehrraketen in der Republik Zypern nicht hinnehmen und behauptete, dort werde eine Invasion geplant: „Die Griechen bereiten eine Militärintervention vor“, sagte Demirel. Aktionen, die die Existenz der Türkischen Republik Nordzyperns in Frage stellten, würden nicht geduldet. Die Türkei hat gedroht, die Stationierung der Raketen auch mit militärischen Mitteln zu verhindern.
Der Führer der Zyperntürken, Rauf Denktaș, bot der griechischen Seite großherzig einen Anteil des Wassers an. Das Projekt erfolge im Sinne des Friedens und der Zusammenarbeit. „Niemand soll verdursten. Seid gute Nachbarn, und wir werden das saubere Wasser teilen“, sagte Denktaș.
Die Zyperngriechen werden diese Offerte freilich kaum nutzen. Schließlich müßten sie dann zuvor mit dem Regime im Norden verhandeln, das für sie wie die internationale Staatenwelt gar nicht existiert. Wasser ist im Süden ohnehin etwas reichlicher vorhanden, weil dort ein System teilweise durch Pipelines miteinander verbundener Staudämme die winterlichen Regenfälle auffängt.
Und sollten auch diese Vorräte eines Tages versiegen, so ist dort der Wasserimport mittels Tankschiffen im Gespräch – aus Kreta. Klaus Hillenbrand
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