Personalwechel am Bosporus: Krise im Kulübü

Trainer Michael Skibbe gerät bei Galatasaray Istanbul in arge Bedrängnis. Seine Assistenten mussten schon die Koffer packen.

Der Trainer von Galatasaray Istanbul, Michael Skibbe, muss um seinen Posten bangen. Bild: dpa

STUTTGART taz Bevor Ümit Davala seine Sachen gepackt hat, gab er seinem ehemaligen Chef, Michael Skibbe, einen Rat. "Ich habe ihm gesagt, ich wäre traurig, wenn er zurücktreten würde." Von seiner Entlassung als Kotrainer von Galatasaray Istanbul habe er aus der Presse erfahren, klagte Davala, von mangelnder Erfahrung sei die Rede gewesen. Doch mit diesen Äußerungen habe sich der Vorstand des ruhmreichen Spor Kulübü nur lächerlich gemacht, ätzte Davala, der einst mit dem Klub den Uefa-Cup gewann und 2002 als türkischer Nationalspieler mit der Milli Takim stolzer WM-Dritter wurde.

Jetzt wurde er stillos aus dem edlen Trainingszentrum Galatasarays im Villenviertel Florya vertrieben, nach nur sechs Spieltagen und zusammen mit dem im Sommer mit Skibbe aus Deutschland gekommenen zweiten Assistenten Edwin Boekamp. Skibbe aber ist noch da. Im Türkischen gibt es ein Sprichwort, das gut beschreibt, was gerade beim aktuellen türkischen Meister passiert. "Ich sage es meiner Tochter, damit es meine Schwiegertochter versteht", lautet es.

So wird die Entlassung von Skibbes Assistenten kommentiert. Der in Mannheim geborene Ümit Davala aber hat es Skibbe geradeaus ins Gesicht gesagt: "Der eigentliche Grund für unsere Entlassung ist, dich zum Rücktritt zu bringen." Adnan Polat hingegen sieht das nicht so. Der mächtige Präsident Galatasarays und reiche Unternehmer stärkt dem deutschen Trainer in offiziellen Statements den Rücken. Dabei ist das "Spielchen" (Davala) leicht zu durchschauen: Tritt Skibbe von sich aus zurück, spart der Klub die Abfindung. Schmeißt der Verein den Trainer raus, kassiert Skibbe rund 1 Million Euro Abfindung. Von Anfang an hatte der 43-Jährige in der Türkei einen schweren Stand. In den Medien wurde Skibbe nicht mit so offenen Armen empfangen wie Fenerbahces neuer Trainer Luis Aragones, der gerade mit Spanien Europas Thron bestiegen hatte. Es wird Skibbe nicht trösten, dass Aragones bei Fener ebenso vor dem Rauswurf steht wie er selbst.

Vor dieser Saison durfte sich Skibbe unter anderem über die Verpflichtung der Stars Fernando Meira (Stuttgart), Milan Baros (Portsmouth) und Harry Kewell (Liverpool) für 11,5 Millionen Euro freuen. Aber nachdem zuletzt auch beim Provinzverein Bursaspor verloren wurde, teilte das Präsidium unruhig mit, dass nun etwas passieren müsste. Am Sonntag empfängt Galatasaray Tabellenführer Trabzonspor. Die Daily Soap am Bosporus geht weiter, Skibbe gibt darin derzeit den einsamen Helden. Die Frage ist: wie lange noch?

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben