: Paul Kulms' Medienberatung am Flughafen
PAUL KULMS' MEDIENBERATUNG AM FLUGHAFEN
Wer über den großen Teich fliegt, sollte Wasserpistolen oder Teddys lieber daheim lassen. Auf New Yorks Kennedy-Flugplatz könnte die Ha-zwei-o-Waffe eingezogen oder das Knuddeltier sicherheitshalber aufgeschlitzt und durchleuchtet werden. Und wir wollen doch alle wieder heile in Hamburg landen, wo alles wie auf dem Dorfe ist — wenn, ja wenn nicht gerade ein Mongole, Chinese, Grönländer oder so mit einem Koffer voller Süßigkeiten dazwischenfunkt, und dann noch das Durchleuchtungsgerät im Koffer Sprengstoff oder Trinitrotoluol (TNT) anzeigt, weil's keine Schokolade mag.
Die Medienheinis tanzen sofort Schmeißfliegen gleich an, bauschen auf und kleckern uns zum Frühstück Geschichten auf den Tisch: Die NDR-Hamburg-Welle weckte nachrichtlich mit einem „Chinesen mit österreichischem Paß“ und reporterte fleißig. Gestern mittag schon war der Sender wieder recht kleinlaut, kippte einen angekündigten weiteren Bericht. „Bild“ dagegen kleckerte nicht mit Schokolade, sondern klotzte mit einer Extra-Ausgabe, in der ein „Japaner mit 30 Kilo schwerer Bombe im Koffer“ zum Aufreißer wurde.
Chinese oder Japaner sei doch egal, meint die „Bild“-Sekretärin, und ein „Bild“-Redakteur beruft sich auf die Gerüchte, die die Polizei angeblich gestreut hätte. Und morgen, also heute, würde alles richtiggestellt werden mit frischen Fotos und anderem Geschreibsel — die Druckmaschinen waren gestern vor dem Frühstück nicht mehr anzuhalten. Dafür haben wir doch alle Verständnis!? Und soll doch mal einer von uns Ausländerfreundschaftlern, Europäern, Negern, Spießern (frei nach Walter Mehring) sagen, er könnte Chinesen, Japaner, Mongolen oder Grönländer unterscheiden, wo schon die Hochsicherheitsgeräte bei Schoko- Bomben oder Herrenparfüm schwach werden. Wer fragt heute, wo die „Geschichte“ schon wieder verrauscht ist, noch nach dem 19jährigen „Österreicher asiatischer Abstammung“ (O-Ton Polizei-Pressestelle), der gestern wegen „Verhaltensauffälligkeiten“ dem „psychiatrischen Notdienst vorgeführt“ wurde? Paul Kulms
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