: Patriarchale Kultur oder kulturelle Lücken?
■ betr.: „Die Ehre retten auf Leben und Tod“ (Zwangsheirat und Mi nirock), Intertaz vom 16.4.94
Esine und ihre Eltern sind Opfer kultureller Lücken geworden? Was für ein zynischer Satz, denn: Esine und ihre Eltern sind in Wahrheit Opfer eines zutiefst grausamen patriarchalischen Systems geworden, das Frauen bei Androhung und Verhängung von Strafen (selbst Tötungen in Kauf nimmt) verbietet, ein selbstbestimmtes Leben zu führen!
Es gilt also keinesfalls, in Deutschland „kulturelle Lücken“ auszufüllen, was in diesem Fall (und vielen anderen) beispielsweise das Vorhandensein von sogenannten „Tröstern und Beschwichtigern“ bedeuten würde (damit es zu keiner Tötung der Frau wegen der Verletzung der „Familienehre“ kommt...), wie es Dr. Dedegil allen Ernstes darstellt für die „unwissenden deutschen LeserInnen“, sondern: gefordert ist die rückhaltlose Bloßlegung der Mechanismen dieser uns ach so fremden, türkischen Kultur, die doch in Wahrheit nichts anderes ist als eine gnadenlos frauenverachtende Männerkultur; gefordert ist, daß endlich Schluß ist mit zudeckenden, vernebelnden Argumentationen wie eben von dem „Nichtinformiertsein über eine fremde Kultur“ etc. Die Logik des Kommentars von (Frau? Herrn?) Dr. Dedegil ist beklemmend zynisch und zutiefst entlarvend... Eva Ekelof, Hamburg
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