■ Pariser Platz: „Pinkelschlitz“ am Brandenburger Tor
Für die beiden Gebäude links und rechts des Brandenburger Tores soll noch in diesem Jahr Baubeginn sein. Dies sagte der Architekt Josef Paul Kleihues gestern der taz am Rande einer Bauausschußsitzung im Abgeordnetenhaus. Kleihues plant, auf den Grundflächen der einstigen Häuser Liebermann und Sommer, die vom Ostberliner Magistrat abgetragen wurden, zwei Neubauten zu errichten. Diese lehnen sich in den Volumina an die berühmten Vorbilder am Pariser Platz an. Kleihues weicht von den Originalen allerdings in zwei wesentlichen Punkten ab: er rückt die Bauten vom Brandenburger Tor 1,40 m ab und verändert die Fassade.
Für die beiden Bauvorhaben seien bereits Baugenehmigungen erteilt worden, sagte Senatsbaudirektor Hans Stimmann gestern. Er verteidigte die Kleihuessche Architektur, orientiere sich doch ihr Maßstab am Brandenburger Tor. Außerdem erfülle Kleihues die vom Bausenator aufgestellten Gestaltungsvorgaben für den Platz.
Kritik an der Baugenehmigung äußerten die Kommission „Historisches Berlin“ sowie die Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen, der CDU und FDP. Die Baugenehmigung sei ein „rechtsbrüchiger Verwaltungsvorgang“ (Meyer, „Historisches Berlin“), weil der Genehmigungsparagraph 34 nicht greife. Dieser besagt, daß sich Neubauten am Maßstab der benachbarten Bauten zu orientieren haben. Im Falle der geplanten und genehmigten Kleihues-Neubauten könne aber von einer vergleichbaren Nachbarbebauung nicht mehr die Rede sein, da diese fehle. Außerdem wandten sich Teile des Bauausschusses gegen die vier vorgesehenen Stockwerke und den „Pinkelschlitz“ zwischen Brandenburger Tor und den Neubauten. Sie forderten, die Gebäude an das Tor anzubauen. rola
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