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Panik und Chaos nach blindem Alarm

Eine angebliche Flugzeugentführung in Indien löst eine alarmierende und grenzübergreifende Kettenreaktion aus

BERLIN taz ■ Einigkeit herrscht darüber, dass letztendlich alles gut ausgegangen ist, ansonsten divergieren die unterschiedlichsten, zum Teil recht abstrusen Meldungen rund um eine angebliche Flugzeugentführung in Indien. Als Tatsache lässt sich festhalten, dass am Mittwoch, kurz vor Mitternacht, die Boeing 737 in Bombay startete. Rund vier Stunden später konnten die 46 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder in Neu-Delhi nach einigen Strapazen das von Sicherheitskräften umringte Flugzeug verlassen. Was sich zwischenzeitlich auf der Erde und in der Luft abspielte, kann man als Kette sich überschlagender Ereignisse bezeichnen. Angefangen hat alles, so Indiens Luftfahrministers Shahnawaz Hussain, mit einem anonymen Anruf bei der Flugaufsicht über eine mutmaßliche Entführung. Von dieser beunruhigenden Nachricht informiert, verriegelte der Pilot des Flugzeuges, Ashwini Behl, die Tür zum Cockpit, überzeugt, dass sich die Entführer unter den Passagieren befänden, hatten doch zuvor Stewardessen zwei im Gang stehende Männer gesichtet.

Die Passagiere wiederrum, über Handy von Verwandten informiert, gingen davon aus, dass das Cockpit gestürmt und der Kapitän in Händen der Kidnapper sei. Das Missverständnis wurde erst nach der Landung, als Sicherheitskräfte ins Flugzeug eindrangen, aufgeklärt. Trotz dieser Erklärung von offizieller Seite kursieren weiterhin Gerüchte, dass sich wirklich zwei Entführer an Bord befunden hätten. Passagiere berichten von zwei Insassen, die versucht hätten, ins Cockpit zu gelangen. Wie sich später herausstellte, handelte es sich um zwei besorgte Mitreisende, die sich lediglich Klarheit verschaffen wollten. Doch dies waren nicht die einzigen Nachrichten, die in der hoch sensiblisierten Öffentlichkeit ihre Kreise zogen. So soll aus Geheimdienstkreisen gemeldet worden sein, die vermeintlichen Flugzeugstürmer hätten sich nach Routen nach Lahore und Karatschi in Pakistan erkundigt. Daraufhin wurde in Pakistan an allen Flughäfen Großalarm ausgelöst.

So widersprüchlich die einzelnen Nachrichten sein mögen, so zeichnet sich doch deutlich die erhöhte Alarmbereitschaft bei den Sicherheitsbehörden Indiens ab. Nach den Flugzeuganschlägen in den USA und einem Autobombenanschlag in Jammu-Kaschmir vergangenen Montag mag die nervöse Anspannung verständlich sein. Fliegen ist eben auch nicht mehr das, was es vor dem 11. September einmal war. AF

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