Pakistans Islamisten schlagen zu: Anschläge statt Friedensabkommen

Bei drei Selbstmordanschlägen sterben mehr als 46 Menschen, darunter angesehene Stammesälteste. Seit die Stämme sich gegen Extremisten wehren, sind sie oft Ziel der Islamisten.

Über 40 Tote und 100 Verletzte - die Bilanz eines Selbstmordattentäters, der sich mitten in einer Stammesversammlung in die Luft sprengte. Bild: ap

DELHI taz Die Islamisten setzen nach einer kurzen Zeit relativer Ruhe ihren Krieg gegen den pakistanischen Staat und seine Menschen fort: Bei drei Selbstmordanschlägen in verschiedenen Landesteilen kamen seit Freitag mindestens 46 Menschen ums Leben.

Am Freitagabend zündete ein Selbstmordattentäter in der Stadt Mingore einen Sprengsatz auf der Beerdigung eines hochrangigen Polizeioffiziers und dreier weiterer Menschen, die bei einem Bombenanschlag gestorben waren. Dabei kamen 44 Menschen ums Leben, die am Samstag unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt wurden. Bei einem weiteren Anschlag am Samstag in der Stammesregion Bajur starben zwei Menschen, 24 Menschen wurden verletzt.

Am Sonntag tötete ein Selbstmordattentäter mindestens 40 Menschen, als er sich während einer Versammlung von Stammesangehörigen im Nordwesten des Landes in die Luft sprengte. Mehr als 100 Menschen wurden verletzt. Mehrere tausend Angehörige von fünf Stämmen hatten sich in der Nähe der Stadt Darra Adam Khel versammelt. Sie wollten über ein Friedensabkommen mit dem pakistanischen Staat beraten und Strafen für diejenigen verhängen, die Extremisten Unterschlupf gewähren, berichteten pakistanische Nachrichtensender. Der junge Attentäter habe inmitten von Stammesältesten seinen Sprengsatz gezündet. Fernsehsender zeigten Bilder von Blutlachen, verstreuten Schuhen und Mützen.

Mit dem Anschlag auf die hoch angesehenen Stammesältesten reagieren die Islamisten auf den energischen Widerstand, mit dem seit kurzem die Stämme gegen sie vorgehen. Bereits vor wenigen Wochen hatten Unbekannte acht Stammesführer getötet, als diese Schritte gegen die oft aus aus dem Ausland stammenden Extremisten auf ihrem Gebiet einleiten wollten.

Im vergangenen Jahr war es zunächst zu einem bewaffneten Aufstand der Stämme gegen die pakistanische Regierung gekommen, nachdem Regierungssoldaten auf der Jagd nach afghanischen Taliban und Islamistenmilizen immer öfter Zivilisten getötet hatten. Nach den immer grausameren Anschlägen in jüngster Zeit begannen viele der Stämme jedoch, in Eigenregie gegen die Fanatiker vorzugehen.

Unterdessen reichte die Polizei ihre ersten Ermittlungsergebnisse zu dem Mord an Benazir Bhutto vor einem Antiterrorgericht ein. Die Polizei beschuldigt darin den Islamistenführer Baitullah Mehsud, für den Mord an der Oppositionspolitikerin verantwortlich zu sein, erklärte Chefermittler Chaudhry Abdul Majid. Der Richter habe Haftbefehl gegen fünf Verdächtige erlassen.

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