Pädagogen bleiben rar: Von wegen 200 Lehrer

Von den beschlossenen 200 zusätzlichen LehrerInnen müssen 80 „im System erwirtschaftet werden“. Wie, weiß die Bildungssenatorin nicht.

Kann denn hier keiner mal endlich die Tafel auswischen? Foto: Patrick Pleul/dpa

Mit bis zu 200 zusätzlichen LehrerInnenstellen will Bremen auf steigende SchülerInnenzahlen und Unterrichtsausfall reagieren. Bloß: Geld gibt es nur für 120. Wie der Rest finanziert werden soll, weiß die neue Bildunssenatorin Claudia Bogedan (SPD) noch nicht.

194 neue LehrerInnen werden regulär in diesem Schuljahr beginnen, bis Ende 2017 sollen, wie im Koalitionsvertrag beschlossen, 200 zusätzliche Stellen hinzukommen. 80 davon, erklärte Bogedan gestern anlässlich des Ferienendes, müssten „im System erwirtschaftet werden: Es hängt von der Jonglage der Finanzleute ab, ob es diese Lehrer geben wird oder nicht.“ Sie wisse nicht, wie die ersten 40 Stellen bis zum Herbst 2016 erwirtschaftet werden könnten.

Angesichts der wachsenden Flüchtlingszahlen sollen außerdem schnellstmöglich 75 Lehrkräfte eingestellt und 80 neue Vorkurse – also Klassen, in denen Kinder Deutsch lernen – eingerichtet werden. Für Letzteres, so Bogedan, müsse auch mit „undogmatischen Mitteln“ gearbeitet werden.

Damit meint sie, dass Bremen, genauso wie Niedersachsen, auch die Einstellung pensionierter LehrerInnen oder sogar StudentInnen zumindest in Betracht ziehen müsse. Denn bundesweit mangelt es an LehrerInnen für den gestiegenen Bedarf. „Das muss aber mit der Personalvertretungen abgesprochen werden“, sagte Bogedan, die findet, dass das das Schulsystem in Bremen „gut für Flüchtlinge“ sei: „Aufgrund der hier praktizierten inklusiven Beschulung haben die LehrerInnen bereits Erfahrung mit SchülerInnen, die unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen.“

Die Linksfraktion teilt Bogedans Meinung nicht: Es reiche nicht aus, sagt Kristina Vogt, bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, künftig nur die Unterrichtsversorgung sicherzustellen. In Quartieren mit einem hohen Anteil von SchülerInnen mit Migrationshintergrund seien die Bildungsabschlüsse schlechter und die Ausbildungsquote gering.

Vor allem die Beschulung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen stelle eine besondere Herausforderung dar. So habe die Allgemeine Berufsschule, die von vielen der unbegleiteten Minderjährigen besucht wird, bereits Standards senken müssen, weil sie zu wenig zusätzliche Mittel für immer mehr Jugendliche bekomme.Mit der Quote von 7,3 Prozent aller SchülerInnen, die in Bremen keinen Schulabschluss erreichen, ist auch Bogedan nicht glücklich. Künftig, sagte sie, soll es deswegen SchülerInnen möglich gemacht werden, „mit einem Schuljahr on the top noch in der 10. Klasse die einfache Berufsbildungsreife durch gute Leistungen oder eine Prüfung zu erreichen“. Außerdem seien zusätzliche Ressourcen für SchulsozialarbeiterInnen an die Schulen gegangen.

Ebenfalls neu und aus freigesetzten Bafög-Mitteln finanziert, sind sogenannte „Sprachförderbänder“. Dabei handelt es sich um konzeptbasierte und lernstandsorientierte Sprachförderung in den ersten zwei Grundschuljahren und der fünften und sechsten Oberschulklasse. Geplant ist die Förderung künftig auch für den Übergang in die Sekundarstufe II.

Ob die bereits zugesicherten 120 LehrerInnen-Stellen tatsächlich auch eins zu eins besetzt werden, ist ebenso unklar wie die Finanzierung der restlichen 80 Stellen. Sie könne sich durchaus auch vorstellen, sagte Bogedan, aus den bereitgestellten Mitteln zumindest teilweise einen punktuellen Ausgleich für saisonal bedingte LehrerInnenausfälle zu finanzieren, „zum Beispiel für Ersatz aus dem Vertretungspool.“

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