: Packeis im Kostüm
Warum nur ist der Rhein so zugemüllt?
„Im Rhein treibt viel mehr Müll als gedacht“, alarmierten Forschende der Universitäten Bonn und Tübingen die offenbar noch immer gewissenlos herumsauenden Anrainer des einst romantisch verklärten deutschen Abwasserkanals zur Nordsee. „53.000 Müllteile pro Tag“ dümpelten in den verdreckten Fluten des Altvaters, empörte sich Studienleiterin Leandra Hamann gegenüber dpa. Festgestellt wurde dies bei einer „Langzeituntersuchung“ im traditionell trashigen Köln, an dessen Gestade die eigens installierte Schrottfalle „RheinKrake“ den nun untersuchten Kehricht aus dem Fluss fischt. „Weinflaschen, Sektflaschen und Flaschendeckel machen einen großen Teil des Treibguts aus“, stellte die Studienleiterin nüchtern fest und bestätigte damit beliebte Vorurteile über die feuchtfröhliche Lebensart der Rheinländer. Auch andere Feiern hinterließen Spuren: „Etwa zehn Prozent aller in dieser Zeit aus dem Fluss gefischten Gegenstände waren Feuerwerkskörper“, verzeichneten die akademischen Lumpensammler zwischen November 2022 und 2023. Doch so richtig verklumpt die Wasserstraße erst, wenn am Aschermittwoch die Jecken aus den Karnevalshochburgen am Rhein gekärchert werden und als kostümiertes Packeis in langen Prozessionen in Richtung Nordsee treiben.
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