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Olympische WettkampfstättenGanz schön hässlich, dieses Mailand

Sichtbeton, Autobahnbrücken, seelenlose Messegelände. Die olympischen Sportstätten sind alles andere als schön, selbst wenn man mit dem Rad hinfährt.

Die Eishockeyarena Santa Giulia in Mailand wurde Anfang dieses Jahres erst eröffnet Foto: Bildbyran/imago

M ailand ist hässlich. Das denke ich mir jedes Mal, wenn mich die U-Bahn wieder in einem unansehnlichen Businessdistrikt ausspuckt, in dem sich eine olympische Anlage befindet. Das Medienzentrum mag zwar für Freunde des Brutalismus eine Augenweide sein, aber wer ist das schon wirklich?

In einer nicht minder heftigen Sichtbetonhölle finden die Eiskunstlaufwettbewerbe statt und die Eisschnellläuferinnen laufen am Ende eines Messegeländes, das so seelenlos ist, wie man es von einem Messegelände nicht anders erwartet.

Das Erste, was ich beim Verlassen der Anlage sehe, ist eine wuchtige Autobahnbrücke. So eine führt auch an der Eiskunstlaufhalle vorbei. Beim Blick aus dem Medienzentrum fallen mir die Tre Torri ins Auge, drei nicht besonders originelle Bürotürme, wie sie in jeder herkömmlichen chinesischen Millionenstadt auch stehen könnten.

Das kann doch nicht alles sein, was Mailand zu bieten hat, denke ich mir und beschließe, mir für meinen nächsten Ausflug zu einer Wettkampfstätte ein Fahrrad auszuleihen. Alle paar Hundert Meter gibt es Stationen eines städtischen Bike-Sharing-Anbieters. Es dauert keine zwei Minuten, bis ich eines dieser gelben Fahrräder mit den schönen, verchromten Gepäckkörben aus seinem Ständer befreit habe. Endlich lerne ich Mailand kennen, freue ich mich und mache mich auf den Weg zur Eishockeyarena Santa Giulia.

Logistikzentren, Lebensmittelgroßmarkt, Fernfahrergaststätten

Nun, allzu viel sehe ich nicht von Mailand. Der holprige und löchrige Belag der Straßen, durch die mich das Navi schickt, verlangt all meine Konzentration. Wenn ich Straßenbahnschienen überqueren muss, werde ich durchgeschüttelt wie ein Abfahrer auf der Stelvio.

Als ich endlich auf einem Radweg fahren kann, liegt das Stadtzentrum schon hinter mir. Ich komme an Logistikzentren und dem Lebensmittelgroßmarkt vorbei. Zwei riesige Fernfahrergaststätten werben für sich, eine mit brasilianischen Grillspezialitäten, eine andere mit Münchner Bier.

Als mir das Navi mitteilt, dass ich mein Ziel erreicht habe, stehe auf dem Gelände eines Gebrauchtwagenhändlers. Vor den Spielen hatte ich gehört, dass befürchtet wurde, die Halle könnte nicht rechtzeitig fertig werden. Dass man gar nicht begonnen hatte, sie zu bauen, das überraschte mich dann doch.

Ich wechselte auf den Routenplaner eines anderen großen US-Techkonzerns, der mich nochmal anderthalb Kilometer weiterschickte. Was ich als Erstes sah, als ich an der Halle ankam? Eine gewaltige Autobahnbrücke. Mailand kann wirklich ganz schön hässlich sein.

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Andreas Rüttenauer
Sport, dies und das
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