Ökonomin kritisiert Ex-Kollegen: "Fondsmanager sind zu zappelig"

Sie war die Nummer eins unter Deutschlands Fondsmanagern. Dann stieg Susan Levermann aus. Im sonntaz-Gespräch kritisiert sie die Rituale der Bankenwelt.

Hektik am Aktienmarkt? Nicht für Levermann: "Es ist nur alle zwei oder vier Wochen nötig, die Aktien umzuschichten". Bild: dpa

BERLIN taz | Susan Levermann, ehemals erfolgreichste Fondsmanagerin Deutschlands, hält ihre Ex-Kollegen für übereifrig. "Ich würde sagen, 90 Prozent der Fondsmanager beschäftigen sich in 80 Prozent der Zeit mit Dingen, die nicht relevant sind", sagt Levermann im sonntaz-Gespräch. Fondsmanager und Anleger könnten dem Druck nicht widerstehen, ständig etwas zu tun. "Man muss Langeweile aushalten."

Die 36 Jahre alte Ökonomin hat lange bei der DWS in Frankfurt gearbeitet, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. Dort verwaltete sie 1,7 Milliarden Euro. 2008 wurde sie ausgezeichnet: für den besten deutschen Aktienfonds über ein und drei Jahre. Dann stieg sie aus.

"Man muss sich von diesem Bild der Börse verabschieden, dass der Händler morgens beim Zähneputzen die Kurse checkt und dann im Auto die erste Order aufgibt. Stattdessen muss man ganz klare Regeln befolgen. Dann ist es vielleicht alle zwei oder vier Wochen nötig, die Aktien umzuschichten", sagt sie.

Levermann kritisiert die vorherrschende Strategie in der Bankenwelt. Es werde versucht vorherzusagen, wie die Gewinne in den nächsten Jahren aussehen könnten. "Sie versuchen aus der Story, die ihnen das Unternehmen erzählt hat, eine Gewinnschätzung abzugeben." Mit einer Story fühlten sich viele Anleger sicher, weil sie glaubten, zu verstehen, was ein Unternehmen treibt. "Für mich zählten Zahlen mehr als Geschichten." Levermann gibt Anlegern in einem gerade erschienen Buch eine Checkliste an die Hand, die Punkte wie Eigenkapitalquote und Eigenkapitalrendite enthält. Zudem müsse man ethische Kriterien beachten.

Bei der DWS hätte Levermann eigentlich täglich schon nach zwei Stunden nach Hause gehen können. "Das hat meine Sinnkrise noch befördert, weil man sich fragt, was machst du eigentlich mit deiner Zeit?" Sie habe Kaffee getrunken oder sich im firmeneigenen Fitnesstudio die Zeit vertrieben. Am Tag nach ihrer Auszeichnung im Februar 2008 kündigte sie und zog nach Berlin. Inzwischen arbeitet sie für eine Umweltorganisation. In der sonntaz spricht sie über ihren Aufstieg, den Druck an der Börse, das Raubtierverhalten von Fondsmanagern und darüber, wie man im Liegestuhl reich werden kann.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben