Öfter in die Luft: Fluglärm rund um die Uhr

Südpiste des Flughafens Hannover wird wieder für Nachtflüge geöffnet. Die Anwohner wollen sich wehren. Großes Frachtverkehrszentrum in Planung.

Demnächst auch nach Einbruch der Dunkelheit gern gesehen: eine Boeing 747 auf dem Flughafen Hannover. Bild: dpa

Der Flughafen Hannover wird auch seine südliche Start- und Landebahn wieder die ganze Nacht über für den Flugverkehr nutzen. "Wir werden die Nachtflüge gleichmäßig auf zwei Bahnen verteilen", sagte Flughafensprecher Sönke Jacobsen. Der Schallschutz für viele Anwohner der Südbahn sei verbessert worden. Besonders laute Maschinen sollen aber nach wie vor nur auf der Nordbahn starten und landen dürfen. Vertreter der Anwohnerschaft und des Naturschutzes lehnen den Nachtflugverkehr ab.

Der Flughafen Hannover verfügt über eine uneingeschränkte Betriebserlaubnis für zwei Bahnen. Lediglich in den Nachtstunden von 23 bis 5.59 Uhr dürfen besonders laute Maschinen weder starten noch landen. Seit 2007 beschränkte sich der Flughafen aus Gründen des Lärmschutzes freiwillig auf die Nordbahn. Sie ist länger als die Südbahn und ihr Umfeld ist weniger dicht besiedelt. Den Anwohnern der Südbahn bot der Airport an, "passiven Lärmschutz" wie schalldichte Fenster und Lüfter zu finanzieren. Dieses freiwillige Angebot sei überwiegend angenommen worden.

Holger Zenz von der Interessengemeinschaft Lärmschutz schätzt, dass etwa 10.000 Anwohner in der nahen Stadt Langenhagen von der Wiederöffnung der Südbahn betroffen sind. "Ich kann nicht verstehen, dass Urlauber in der Nacht fliegen müssen und dass dies zu Lasten unserer Gesundheit hier gehen soll, und das 365 Tage im Jahr", sagt Zenz. Er will nun die Anwohner der Südbahn und des Flughafens mobilisieren und sich wehren, mit dem Ziel, dass Hannover komplett auf den Nachtflug verzichtet - in Hamburg geht dies seit 2008.

Die Finanzkrise hat das Passagier- und Frachtaufkommen der Flughäfen einbrechen lassen. Im zu Ende gehenden Jahr kletterten die Zahlen wieder nach oben.

Hannover: Der Flughafen rechnet damit, das Jahr 2010 mit etwa 5,1 Millionen Fluggästen abschließen zu können - etwas mehr als im Vorjahr. Damit wäre der Vor-Krisen-Stand noch nicht wieder erreicht.

Hamburg prognostiziert für das laufende Jahr gut 13 Millionen Passagiere. Das wäre ein neuer Rekord.

Bremen schnitt von Januar bis Oktober 2010 minimal (0,3 Prozent) schlechter ab als im Vorjahr. Der Trend ist aber aus Flughafensicht günstiger. Im Oktober 2010 wurden gut neun Prozent mehr Passagiere abgefertigt als im Vorjahresmonat.

Lübeck-Blankensee baut weiter ab. Für den laufenden Winterfahrplan wurden einige Verbindungen gestrichen. Für das laufende Jahr rechnet der Billigflieger-Airport mit 590.000 Fluggästen. 2011 werden nur noch 400.000 erwartet. Fast 700.000 waren es 2009.

Unterstützung erhält Zenz von Carl-Wilhelm Bodenstein-Dresler, Geschäftsführer des Bundes für Umwelt- und Naturschutz in Niedersachsen. Er hält die Gutachten, die die Notwendigkeit des Nachtverkehrs belegen sollen, für einseitig: "Der Flughafen hat sich jedes Mal mit seinen Gutachtern mit Rückendeckung des Landes hingestellt und seine Vorstellungen umsetzen können." Der Bürger habe in diesem Verfahren kaum eine Rolle gespielt.

Flughafen-Sprecher Jacobsen argumentiert mit der Bedeutung des Hannoverschen Flughafens für den Urlaubsverkehr. "Im bundesweiten Vergleich haben wir die drittmeisten Passagiere, die hier mit einem touristischen Hintergrund fliegen", sagt er. "Da liegen wir vor Hamburg." Bei den Gesamt-Fluggastzahlen belegt Hannover bundesweit den achten Platz, hinter Stuttgart und vor Nürnberg. Auch aufgrund der Ansiedelung von German Wings erwartet Jacobsen ein Wachstum von 2,5 Prozent pro Jahr.

Eine wichtige Rolle könnte in Zukunft der Frachtverkehr spielen. Der Airport Hannover schlägt in normalen Jahren zwischen 5.000 und 6.000 Tonnen Luftfracht um. Auf Flughäfen wird aber längst nicht nur vom Flugzeug auf LKW verladen, sondern auch von LKW auf LKW. Bei dieser "getruckten" Fracht bewegt Hannover mit 110.000 Tonnen bereits mehr als das Dreifache des Hamburger Airports mit seinen gut 32.000 Tonnen.

Das in Hannover geplante World Cargo Center will genau diese beiden Umschlagsarten bedienen. Dafür baut die Garbe Logistik AG im nächsten Jahr ein 20.000 Quadratmeter großes Logistikzentrum im Westbereich des Flughafens. "Sobald es die Witterung zulässt, fangen wir an", sagt der Bereichsleiter Luftfahrt der Garbe Logistik Jan Hempel. Im November 2011 rechnet er mit der Fertigstellung. "Es ist schlicht ein Standortfaktor, wenn Hannover nachts auf zwei Bahnen fliegen kann", sagt er. Wir hätten uns nicht engagiert, wenn der Flughafen Hannover sich nicht weiterentwickelt hätte."

Kurz bevor die Nachtflugerlaubnis Ende 2009 auslief, hatte der damalige Verkehrsminister Philipp Rösler die Rund-um-die-Uhr-Betriebserlaubnis um weitere zehn Jahre verlängert: Damit sich der Flughafen weiterentwickeln könne, müssten dessen "infrastrukturelle und genehmigungsrechtliche Kapazitäten" aufrechterhalten werden.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben