Obst und Gemüse stark belastet: Mehr Pestizid als erlaubt

In fast allen Produkten finden staatliche Lebensmittelkontrolleure Pestizide. Verbraucherschützer fordern mehr Kontrolle und die Benennung schwarzer Schafe.

Druck auf die Branche: Verbraucherschutz rät zum Kauf von Bio-Produkten. Bild: dpa

Obst und Gemüse aus konventionellem Anbau ist oft stark mit Pestiziden belastet. In Kopfsalat, Äpfeln, Zuchtchampignons sowie Grün- und Wirsingkohl lagen die Rückstände 2007 häufig sogar über den vom Gesetz erlaubten Höchstmengen. Einige Proben waren so gifthaltig, dass schon "bei einmaligem Verzehr gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht auszuschließen sind", wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel am Montag in Berlin mitteilte. Grundlage ist eine repräsentative Studie, deren Daten die Bundesländer erheben.

Demnach war vor allem Grünkohl besonders stark mit Gift durchsetzt: 20 Prozent enthielten mehr Pestizide als vom Gesetz erlaubt. Bei Pfirsichen betrug die Quote 12 Prozent, bei Kopfsalat 9,5 Prozent.

Grundsätzlich gilt: In fast jedem konventionellen Obst und Gemüse im deutschen Handel haben die Kontrolleure Pestizide gefunden. So fielen 90 Prozent der untersuchten Erdbeeren auf. Allerdings wiesen nur 2,9 Prozent mehr als die gesetzliche Höchstmenge auf und gelten den Behörden damit bei normalen Konsummengen als ungefährlich. Diese Auffassung ist aber besonders in Fällen umstritten, in denen mehrere Chemikalien in einem Produkt gefunden werden. Das trifft etwa auf 79 Prozent des Kopfsalats zu. "Wir wissen nicht, ob sich die Wirkung potenziert, wenn mehrere dieser Mittel zusammen vorkommen", sagte der Chef des Bundesamtes Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Helmut Tschiersky-Schöneburg.

Selbst luftgetrockneter Schinken aus Spanien war häufig belastet. Der Grund: Die Hersteller setzen Insektizide gegen Fliegen und andere Schädlinge ein.

Tschiersky-Schöneburg forderte deshalb den Handel und die Erzeuger zu schärferen Kontrollen und größeren Vorsichtsmaßnahmen auf. "Der Verbraucher kann Druck ausüben, indem er Bioware kauft", ergänzte der Amtsleiter. Denn Ökoprodukte hielten, was sie versprechen. Selbst bei dem oft umstrittenen Bioobst und -gemüse aus dem Ausland wurden nur bei einem Prozent illegal Pestizide eingesetzt.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch wies daraufhin, dass die Ergebnisse sich Jahr für Jahr wiederholten. "Die Eigenkontrollen des Handels reichen bei weitem nicht", sagte Sprecher Henrik Düker der taz. "Wir brauchen mehr staatliche Überprüfungen."

Für das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) zeigen die erheblichen Überschreitungen bei einzelnen Lebensmitteln, "dass aus konventionellem Anbau stammendes Essen in Deutschland zu Vergiftungen führen kann". Geschäftsführerin Carina Weber verlangte deshalb, dass die Behörden künftig veröffentlichen, in welchen Läden oder Firmen sie die Produkte mit zu vielen Pestiziden gefunden haben. "Nur so kann kurzfristig und ohne erheblichen finanziellen Aufwand für Kontrollen eine ausreichende Abschreckung erreicht werden", erklärte Weber.

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