Obama nimmt McCain ins Visier: Wer ist Hillary Clinton?

Vorwahlen in Kentucky und Oregon bringen endgültig die Mehrheit. Ohne es explizit auszusprechen, tut Obama so, als befände er sich schon im Wahlkampf mit den Republikanern.

Wer ist Hillary?

WASHINGTON taz Mehrheit für Hillary Clinton, Sieg für Barack Obama. Das ist die Bilanz der Nacht zum Mittwoch, in der Obama einer Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten unumkehrbar näher rückte. Zwar hatte seine Rivalin Hillary Clinton im US-Bundesstaat Kentucky mit 65 zu 30 Prozent der Stimmen nocheinmal richtig abräumen können. Doch bescherte der erwartete Sieg des schwarzen Senators im Westküstenstaat Oregon (58 zu 42) ihm die absolute Mehrheit bei den gebundenen Delegierten.

An der Zahl gebundener Delegierter sollen sich auf dem Parteitag der Demokraten Ende August die Superdelegierten zur Nominierung des Präsidentschaftskandidaten orientieren.

Während sich Hillary Clinton am Dienstag abend weiterhin kämpferisch gab, blickte Obama in seiner Siegesrede bereits auf die Auseinandersetzung mit dem republikanischen Rivalen John McCain.

Clinton hatte zuvor erneut mit 65 Prozent der Stimmen ein beeindruckend gutes Ergebnis im konservativen Staat Kentucky erzielt. Obama hatte dort mit nur 30 Prozent erwartbar schlecht abgeschnitten. Wählende aller Alters-, Einkommens- und Bildungsklassen hatten in dem ländlich geprägten Staat die ehemalige First Lady vorgezogen. Wegen des Verteilungsschlüssels der Demokraten gewann Obama aber dennoch 16 Delegiertenstimmen hinzu.

Wenige Stunden später siegte Obama dann im liberalen Westküstenstaat Oregon mit knapp 58 Prozent vor Clinton mit 42 Prozent. Den Meilenstein in der Vorwahlsaison - das Erreichen der Mehrheit der gebundenen Delegierten - feierte Obama dann im Staat Iowa. Ein ungewöhnlicher Schritt, denn normalerweise finden die Veranstaltungen an einem der Vorwahlorte statt. Doch in Iowa hatte mit dem ersten großen Wahlsieg der demokratischen Vorwahlen am 3. Januar Obamas kometenhafter Aufstieg begonnen.

Und dann verkündete Obama - kaum noch verklausuliert - seinen Anspruch auf die Kandidatur: Die Nominierung sei "in Reichweite", sagte der 46-Jährige Senator vor einer frenetisch jubelnden Menge in Desmoines, Iowa. Großen Beifall erhielt Obama auch für die lobenden Worte, mit denen er seine innerparteiliche Konkurrentin Clinton bedachte. Und die schon so wie ein Nachruf klangen: Die frühere First Lady habe "niemals aufgegeben, für das amerikanische Volk zu kämpfen", sagte Obama. Sie habe es als Frau möglich gemacht, dass auch seine beiden Töchter nun eine bessere Zukunft hätten.

Obama rief in seiner Rede, die mehr einer programmatischen Kampfansage an die Republikaner glich, als einer Triumphrede, zur Geschlossenheit der demokratischen Partei auf. Die "Einheit und die Energie" der Demokraten sei nun wichtig, um in den kommenden Monaten gegen den republikanischen Herausforderer John McCain zu gewinnen. Obama machte deutlich, dass der ersehnte Wandel weiterhin das Thema seiner Wahlkampagne bleiben werde, denn John McCain stehe mit seinen Lösungen nach wie vor für das alte System und für die verfehlte Politik des US-Präsidenten George W. Bush.

Auch Hillary Clinton hatte in ihrer Siegesrede, anders als in den Monaten zuvor, klar auf Angriffe gegen Barack Obama verzichtet. Clinton gab sich dennoch betont kampfbereit und sagte erneut, sie werde im Rennen bleiben und wolle, dass jede Stimme gezählt werde. Sie sei "entschiedener denn je", das Rennen gegen ihren parteiinternen Rivalen Barack Obama "bis zur letzten Stimme" fortzusetzen, sagte sie in Louisville, Kentucky. "Darauf bestehe ich, bis wir einen Kandidaten haben, wer auch immer "sie" sein wird." Am Ende wird das sogar gut für Obama sein.

Nach einer vorläufigen Zählung von Associated Press gewann Clinton in beiden Staaten insgesamt mindestens 54 Delegiertenstimmen und Obama mindestens 23. Nach dieser Rechnung waren noch 39 Stimmen in Oregon zu vergeben, die meisten davon wohl an Obama.

Damit kommt Obama auf 1.956 Delegiertenstimmen - das ist die absolute Mehrheit der gebundenen Delegiertenstimmen und schon nahe an der benötigten Zahl inklusive Superdelegierten von 2.026. Clinton kommt nur auf 1.776. Sie liegt sowohl bei der Zahl der gebundenen Delegierten wie auch bei den Superdelegierten mit 277 zu 305 klar hinter ihrem Konkurrenten. Die nächsten Vorwahlen finden am 1. Juni in Puerto Rico und danach am 3. Juni in Montana und South Dakota statt.

Unterdessen heißt es aus Demokraten-Kreisen, dass ein führender Wahlkampfmanager Obamas, Paul Tewes, mit der Wahlkampagne für den Herbst beauftragt werden soll. Das Obama-Lger ließ am Dienstag wissen, dass der Senator bereits 37 Millionen Dollar (23 Millionen Euro) für den Wahlkampf gesammelt habe. Für die Kampagne spendeten bislang 1,5 Millionen Spender. Bei den Republikanern steht seit Februar fest, dass John McCain der designierte Kandidat sein wird. McCain bezieht sich in seinen Attacken gegen die Demokraten schon länger auf den schwarzen Konkurrenten Obama. Laut Berichten hat McCain für seinen Wahlkampf bereits 22 Million Dollar (14 Millionen Euro) gesammelt.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de