: Nur fromme Juden gewalttätig
Israel/Palästina Die Räumung der Siedlung Amona ist abgeschlossen. Netanjahu verspricht Ersatz an anderer Stelle. Umkämpft war die Synagoge
Foto: Amir Cohen/reuters
taz | Die Siedlung Amona ist geräumt. Als letztes Haus wurde die Synagoge geräumt. Dort hatten sich extremistische Israelis verbarrikadiert. Vergeblich versuchte die Polizei sie zum friedlichen Abzug zu bewegen. 17 Sicherheitsbeamte und mehrere Aktivisten trugen bei dem robusten Einsatz leichte Verletzungen davon.
Amona war mit 42 Familien die größte von insgesamt rund einhundert wilden Siedlungen, die ganz oder zum Teil auf privatem palästinensischem Grundbesitz liegen. Die Räumung folgte einem Urteil des Obersten Gerichtshofs, der nach jahrelangen Verfahren zugunsten der palästinensischen Landeigentümer entschieden hatte. Die Polizei ging anfangs mit großer Zurückhaltung vor und ließ sich für die Operation fast zwei Tage Zeit. Die Bewohner Amonas verließen zum Teil freiwillig ihre Häuser oder übten nur passiven Widerstand aus.
Wandbeschriftungen in der Synagoge deuten darauf hin, dass die Aktivisten, die sich bis zum Schluss verschanzt hatten, nicht dem nationalreligiösen Lager angehören, sondern einer gewalttätigen Gruppe frommer Juden, die einen Religionsstaat anstreben, in dem Ungläubige und Andersgläubige keinen Platz haben. „Tod den Zionisten“ stand an einer Wand der Synagoge geschrieben. Einer der überwiegend jugendlichen Randalierer hatte sogar ein Hakenkreuz skizziert.
Nach Ansicht von Professor Amir Hetsroni wird die Räumung Amonas das politische Urteil der Öffentlichkeit kaum beeinflussen. „Wenn man ein paar Familien von einem Berg auf einen anderen verlegt, dann verändert das nichts“, sagte der Kommunikationswissenschaftler. Nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs sei die Entscheidung gefallen. Um dem Zorn der Siedler entgegenzuwirken, kündigte Regierungschef Benjamin Netanjahu gestern die Gründung einer neuen Siedlung für die Leute aus Amona an. Netanjahus politische Zukunft, so glaubt Hetsroni, werde indes kaum von den Siedlern abhängen, sondern eher von den polizeilichen Ermittlungen“ im Korruptionsskandal. Susanne Knaul
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