Nordkaukasus: Tschetschenischer Exilpremier tritt ab

Der tschetschenischen Exilpremierminister Sakajew ist zurückgetreten - und schließt sich Unabhängigkeitskämpfern an.

Achmed Sakajew, Ex-Premier der tschetschenischen Exilregierung, während eines Besuchs in Polen im September. Bild: dpa

BERLIN taz | Der Chef der tschetschenischen Exilregierung, der in London lebende Achmed Sakajew, ist zurückgetreten und hat seine Exilregierung entlassen. Er werde sich nun dem tschetschenischen Feldkommandeur Husejn Gakajew unterordnen. Dies berichtet die russische Tageszeitung Kommersant.

Sakajew, seit 2007 Premier der Exilregierung, liegt mit dem islamistischen Widerstand im Nordkaukasus im Dauerclinch. Dieser hatte im August 2009 mit dem Todesurteil gegen Sakajew durch das Oberste Scharia-Gericht des "Emirats Kaukasus" einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Sakajew rufe zum Säkularismus auf und stelle weltliche Gesetze über die Scharia, so die Urteilsbegründung.

Für Sakajew, der sich in der Tradition eines 400-jährigen Unabhängigkeitskampfes gegen Russland sieht, handelt der Chef der islamistischen Widerstandskämpfer, Doku Umarow, unter dem Einfluss von russischen Agenten. Mit seiner Forderung nach einem kaukasischen Kalifat untergrabe Umarow die tschetschenische Staatlichkeit, spiele der russischen Politik in die Hände, so Sakajew.

Dabei seien die Bedingungen für eine Unabhängigkeit Tschetscheniens noch nie so gut gewesen wie jetzt, nachdem auch Kosovo, Abchasien und Südossetien ihre Unabhängigkeit erlangt hätten.

Mit seinem Rücktritt scheint sich Sakajew mit dem neuen Kräfteverhältnis in Tschetschenien zu arrangieren, wo sich der bewaffnete Widerstand zugunsten der Separatisten umgruppiert.

Nach dem Zerwürfnis zwischen tschetschenischen Feldkommandeuren unter der Führung von Husejn Gakajew und dem "Kaukasischen Emirat" von Islamistenführer Doku Umarow verlieren die Islamisten Terrain.

Dass sich die Feldkommandeure um Gakajew von Umarows "kaukasischem Emirat" verabschiedet haben, dürfte auch der Erkenntnis geschuldet sein, dass ein permanenter Dschihad für die Bevölkerung im Nordkaukasus keine Anziehungskraft hat.

Wie um den Führungsanspruch Gakajews zu zementieren, hatten dessen Rebellen im August das Dorf Zentoroj, in dem die Familie des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow lebt, überfallen. Sechs Milizionäre wurden getötet, 17 Personen verletzt.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de