Nominiert für den panterpreis 2026 : Eigensinnige Vielfalt
Seit dem Jahr 2000 macht Radio CORAX von Halle aus als freies Radio ein Rundumprogramm. Die AfD möchte dem Sender am liebsten „den Geldhahn zudrehen“.
taz panterstiftung | Jeder Tag klingt bei Radio CORAX anders. Wer Samstagmittag einschaltet, hört manchmal die Sendung Tipkin über Feminismus, Punk und Queer Politics. Wer sonntags Radio CORAX wieder aufdreht, kann Jazz, Lyrik und „anderen Ungereimtheiten“ im Magazin Serendipity lauschen. An anderen Tagen läuft manchmal die mehrsprachige Redaktion Common Voices und das Kinder- und Jugendradio. Manchmal auch nicht. Aber irgendwas läuft immer.
Während kommerzielle Radios versuchen, einen gewissen Sound als Marke zu etablieren, lebt CORAX von eigensinniger Vielfalt. Rund um die Uhr läuft das freie Radio in Halle an der Saale seit dem Jahr 2000. Derzeit gestalten etwa 400 Mitglieder 175 verschiedene Sendungen. Fast alle, die Musik auswählen, Reportagen produzieren oder Sendungen moderieren, arbeiten ehrenamtlich.
Ausgeschrieben war der taz panterpreis unter dem Motto „Unabhängig, kritisch, resilient: Medien von unten“. Vom 8. bis 27. Juni 2026 findet unter taz.de/panterwahl die öffentliche Wahl darüber statt, wer der sieben Nominierten den Publikumspreis gewinnt. Die Preisverleihung, inklusive des Jurypreises, ist im Rahmen der Hamburger Woche der Pressefreiheit am 14. Oktober um 18 Uhr im Museum der Arbeit. Alle Infos: taz.de/panterpreis
Mitzumachen, das gehe im Prinzip ganz einfach, erklärt Programmkoordinator Alex Körner. Er ist seit seiner Jugend dabei, nächstes Jahr wird er 40. „Wer eine Idee hat, stellt sie in der Redaktionskonferenz vor und nach einem Einstiegsworkshop unter anderem zur Mikrofontechnik kann es losgehen.“ Nicht immer klingt alles glatt, aber der technische Anspruch ist hoch.
Mehr als ein Radiosender
Was dann inhaltlich im Radio läuft? Das entscheiden die Leute selbst. Ob Kinder, Queere oder Geflüchtete, alle gestalten eigene Sendungen. Für die anstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wollen zum Beispiel mehrere temporäre Redaktionen im ländlichen Raum O-Töne bei den Leuten sammeln, die sich vor Ort engagieren.
Doch CORAX funkt nicht nur aus Lautsprechern. Unter den Studios in Halle, in einem großen Raum mit Theke, werden Filme gezeigt, öffentliche Diskussionen geführt, Workshops für angehende Radiomacher:innen organisiert. CORAX ist auch ein Treffpunkt. Zurzeit entstünden mehrere Kooperationen mit Kultureinrichtungen, erzählt Programmkoordinator Körner. Außerdem engagiert sich CORAX international etwa beim Verband AMARC für nichtkommerzielle Radios.
Empfohlener externer Inhalt
taz panterpreis Nominierte 2026 | Radio CORAX, freies Radio Halle
Verglichen mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk oder kommerziellen Sendern bleibt CORAX ein kleines Medium. Dass es in Sachsen-Anhalt wahrgenommen wird, hat unter anderem die AfD mit ihrem Programm für die Landtagswahl bestätigt. Die extrem rechte Partei möchte dem kleinen Sender „den Geldhahn zudrehen“, weil er angeblich „allen Spielarten des linken Fanatismus, der perversen Regenbogenideologie und des Genderismus" eine Plattform biete.
Spenden werden wichtiger
Finanziert wird das werbefreie Programm von CORAX aus mehreren Töpfen. Über die Landesmedienanstalt bekommt das Bürger:innen-Radio etwa 200.000 Euro, als Anteil des Rundfunkbeitrags. Hinzu kommen kommunale Förderung, Projektgelder sowie vergangenes Jahr 17.000 Euro über den „Förder- und Freundeskreis Radio CORAX“.
taz panterpreis 2026
Von dort berichten, wo keiner hinschaut
Nominierte für den taz panterpreis
Sieben auf einen Schlag
Zurzeit sei im Radio ein großes Thema, wie es künftig mit der Finanzierung weitergehe, sagt Programmkoordinator Alex Körner. „Egal wie die Landtagswahl ausgeht, Spenden werden für uns wichtiger.“ CORAX werde weiter Radio machen, mit all der Vielfalt, die seit 26 Jahren das Programm prägt.