Nominiert für den panterpreis 2026 : Newsletter statt Zeitung
Lange gab es in Münster zwei konservative Lokalzeitungen, die im selben Verlag erschienen. Dann gründete eine Gruppe von Journalist:innen im Jahr 2020 das unabhängige Lokalmedium RUMS.
taz panterpreis | Münster ist, politisch gesehen, eine geteilte Stadt, zur Hälfte rotgrün mit mehreren großen Hochschulen und 65.000 Studierenden, zum anderen konservativ mit einem traditionell starken katholischen Bürgertum. In den Lokalzeitungen hätte sich das aber nicht widergespiegelt, sagt Marc-Stefan Andres. Damals wie heute gibt es zwei, ziemlich konservative Zeitungen in Münster. „Beide sind wort- und bildgleich“, erklärt Andres. Das liegt daran, dass sie vom gleichen Verlag herausgegeben werden.
Da ist mehr drin – dachten sich Andres und eine Gruppe von Journalist:innen. 2020 gründeten sie das unabhängige Lokalmedium RUMS. Seitdem versendet RUMS mehrmals pro Woche einen Email-Newsletter mit journalistischen Recherchen, Analysen und Einordnungen. Die Themen: Politik, Wirtschaft, Kultur und Stadtleben. „Wir wollen ganz klassisch die vierte Gewalt in unserer Stadt sein und möglichst objektiv den jeweils Mächtigen auf die Finger schauen“, sagt Andres. Der Slogan von Beginn an: „Neuer Journalismus für Münster“.
Ausgeschrieben war der taz panterpreis unter dem Motto „Unabhängig, kritisch, resilient: Medien von unten“. Vom 8. bis 27. Juni 2026 findet unter taz.de/panterwahl die öffentliche Wahl darüber statt, wer der sieben Nominierten den Publikumspreis gewinnt. Die Preisverleihung, inklusive des Jurypreises, ist im Rahmen der Hamburger Woche der Pressefreiheit am 14. Oktober um 18 Uhr im Museum der Arbeit.
Andres, der 25 Jahre als Journalist gearbeitet hat, ist heute Produktmanager bei RUMS, sieht sich als Bindeglied zwischen Redaktion und dem Geschäftlichen. Bezahlnewsletter, erklärt er, hätten eine ganze Reihe von Vorteilen: „Man muss die Leserinnen und Leser nicht auf eine Website locken. Sie bekommen ihre Nachrichten, wie bei der klassischen Lokalzeitung, in den Briefkasten. Nur eben in den elektronischen.“
Ausführliche Artikel mit Links
Und da es im Newsletter auch keine Platzbegrenzung gibt, bringt die Redaktion regelmäßig lange, ausführliche Stücke. „Wir sprechen dann auch gerne mit mehreren Personen, um ein Thema breit und gründlich abzubilden“, sagt Andres. Jeder Newsletter hat ein Hauptthema, und das kann gerne einmal auf bis zu 15.000 Zeichen ausgebreitet werden – das wäre bei der taz ungefähr eine Doppelseite.
Zu vielen Stücken finden die Leser:innen eine lange Reihe von weiterführenden Links und Quellenangaben. Auch das gehört zur Idee der Transparenz, der sich die Redaktion verschrieben hat. Im News-Strudel will sie sich dabei nicht verlieren. „Nachrichten brauchen wir auch gar nicht“, sagt Andres. „Die ganz schnellen Meldungen hat ohnehin schon jeder. Wir bringen dann eben etwas später eine gründliche Einordnung.“
Empfohlener externer Inhalt
taz panterpreis Nominierte 2026 | RUMS, Lokalmedium Münster
Das erste halbe Jahr hat RUMS gratis gearbeitet. „Wir haben transparent angekündigt: Bald kostet es“, sagt Andres. Die Anfangsfinanzierung stemmten die Gesellschafter – mittlerweile 24 –, die Anteile erwarben. Seitdem hat RUMS sich ein Stammpublikum aufgebaut und beschäftigt sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Teilzeit, die sich zusammen fünf Stellen teilen. Dazu kommen rund 15 freie Kräfte. 14,99 kostet das Standard-Abo derzeit. In diesem Jahr, so Andres, wolle RUMS zum ersten Mal eine schwarze Null schreiben.
Direkte Beteiligung der Leser:innen
Mittlerweile hat sich RUMS als dringend benötigte zweite Stimme in der publizistischen Landschaft Münsters etabliert. Andres und sein Team sind auf Stadtfesten präsent, nutzen Dialogformate und bieten direkte Beteiligungsmöglichkeiten. „Wir würden gern eine noch breitere Leserschaft erreichen“, sagt er. Das Potenzial sei da. „Bislang ist sie noch sehr akademisch. Aber wir wollen ein Medium für alle sein.“
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Von dort berichten, wo keiner hinschaut
Nominierte für den taz panterpreis
Sieben auf einen Schlag
Und auch was die Informationskanäle angeht, will sich RUMS weiterentwickeln. Andres: „Eine Idee für die Zukunft ist ein morgendlicher Kurz-Podcast, in dem wir in ein paar Minuten einen Überblick geben, was aktuell passiert ist in der Stadt.“