: Noch vier NS-Prozesse
■ Sechs Anklagen stehen aus
Saarbrücken (AP) – Der Freispruch von John Demjanjuk in Israel hat die Aufmerksamkeit erneut auf den Stand der strafrechtlichen Verfolgung von NS-Verbrechern in Deutschland gelenkt:
Vier Prozesse wegen derartiger Gewalttaten sind zur Zeit im Gange. In sechs bis sieben Fällen ist Anklage erhoben worden, wie der Leiter der Ludwigsburger Zentralstelle, der Leitende Oberstaatsanwalt Alfred Streim, gestern mitteilte. Der Zentralrat der Juden forderte die Beschleunigung der letzten in der Bundesrepublik noch anhängigen Ermittlungsverfahren.
Streim erklärte, in weiteren Fällen sei noch mit der Anklageerhebung zu rechnen. Angesichts des in der Regel hohen Alters der Beschuldigten sei allerdings fraglich, ob es in all diesen Fällen dann auch noch zum Prozeß kommen werde.
In einer Reaktion auf das Urteil im Fall Demjanjuk, der vom Obersten Gerichtshof in Israel von der Anklage des Massenmordes freigesprochen wurde, sagte das Präsidiumsmitglied Michael Friedman vom Zentralrat der Juden in Deutschland, alle Fälle in Deutschland müßten nun so schnell wie möglich bearbeitet, zur Anklage gebracht und abgeurteilt werden.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 180 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen