Nicola Glass über das Begräbnis des thailändischen Königs: Bhumibols bitteres Erbe
Thailand hat Abschied genommen von König Bhumibol Adulyadej. Es ist eine Tatsache, dass der im Oktober 2016 Verstorbene von vielen Landsleuten verehrt wurde. Gleichzeitig steht fest, dass viele andere Thais der Monarchie kritisch gegenüberstehen, sie gar ablehnen. Wegen des drakonischen Gesetzes gegen Majestätsbeleidigung wagen aber nur wenige, dies offen zu zeigen.
Bhumibol, der über 70 Jahre auf dem Thron saß, hinterlässt ein bitteres Erbe. Offiziell pflegte das ultraroyalistische Establishment aus Militärs, Hofschranzen und Technokraten sein Image als Garant politischer Neutralität und gesellschaftlichen Zusammenhalts. Dabei ist das Land, das seit dem jüngsten Putsch vom Mai 2014 erneut unter Militärherrschaft steht, tief gespalten. Den Anhängern jenes maroden Feudalsystems stehen all die gegenüber, die für politische Gleichberechtigung kämpfen.
Als Monarch stand Bhumibol dem alten Establishment und Militär, das sich als Wächter des Königshauses aufspielt, stets näher als gewählten Regierungen. Zwar intervenierte der konstitutionelle Monarch, als die Armee 1973 und 1992 prodemokratische Volksaufstände blutig niederschlug. Andererseits aber segnete er Staatsstreiche ab und umgab sich mit militärischen Hardlinern. So ließ der in den USA geborene, überwiegend in der Schweiz ausgebildete Bhumibol zu, dass konservative Kreise die Monarchie zu politischen Zwecken missbrauchten, um sich Privilegien innerhalb eines Systems zu sichern, das längst ein Anachronismus ist. Das trug dazu bei, dass Thailand bislang der Weg in eine moderne demokratische Zukunft verbaut war.
Derweil wird sein Sohn Vajiralongkorn, der im Dezember 2016 zum neuen König proklamiert wurde, selbst von Royalisten verachtet. Mit diesem verhassten Monarchen an der Spitze missbraucht die regierende Junta das Gesetz gegen Majestätsbeleidigung drastischer denn je, um Kritik am Status quo zu ersticken. Dadurch vertiefen sich die Gräben nur noch mehr.
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