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Nicht nur für Bonzen

■ Waldorfschulen wollen keine Eliteschulen sein / Bei fünf Schulen in der Aufbauphase hapert es an Lehrern und Finanzen

Martin Kraschewski ist sauer. „Uns lassen sie die gesellschaftlichen Randgruppen, und dann meckern sie, wie schlecht die öffentlichen Schulen sind.“ Der Leiter der Robert-Blum-Oberschule an der Kolonnenstraße wehrte sich heftig, als eine Schöneberger Elterninitiative zur Gründung einer Waldorfschule im vergangenen Jahr vorübergehend Räume der ehemaligen Havelland-Grundschule mieten wollte. Das Gebäude ist nur ein paar Häuser von Kraschewskis Schule entfernt und war ihr zwecks Erweiterung zugesprochen worden. Für Kraschewski ist im problematischen Schöneberger Kiez für eine Lehranstalt mit „Abgeordneten- und Rechtsanwaltskindern“ kein Platz.

Dabei wollen Waldorfschulen laut eigenem Bekunden gar keine Eliteschulen sein. „Wir werden durch das Berliner Privatschulgesetz aber zu solchen gemacht“, sagt Michael Wilhelmi, Lehrer an der Freien Waldorfschule Kreuzberg. Privatschulen im Aufbau bekommen nur 85 Prozent ihrer Personalkosten für Lehrer vom Berliner Senat gedeckt. Sämtliche Ausgaben für Baumaßnahmen und Verwaltung müssen sie aus Elternbeiträgen und anderen Privatmitteln finanzieren. Erst wenn ein Jahrgang die Abiturklasse durchlaufen hat, kann sich die Schule vom Landesschulamt anerkennen lassen. Damit hat sie dann das Anrecht auf die volle Finanzierung der Lehrergehälter.

Von den sechs Berliner Waldorfschulen befinden sich ganze fünf noch in der Aufbauphase. Sie verlangen im Schnitt rund 200 Mark Schulgeld pro Monat. Dennoch entspricht das Klischee der Bonzenschule Waldorf laut Wilhelmi nicht ganz der Realität. Die jeweilige Höhe der Beiträge variiere von 60 bis 600 Mark und richte sich nach den Einkommensverhältnissen der Eltern. „Bei uns findet man durchaus auch Alleinerziehende“, betont er.

Neben der knappen Finanzlage sei ein weiteres Problem der Waldorfschulen der ständige Lehrermangel, so Wilhelmi weiter. Besonders für die Oberstufen fehlt es häufig an Personal, und die Fluktuation ist besonders hoch. Dies liegt nicht zuletzt an der hohen Belastung der Lehrer, von denen ein Engagement fast rund um die Uhr erwartet wird. Immer mehr Schulen sehen sich gezwungen, Pädagogen ohne zusätzliche Waldorfausbildung einzustellen. Der sogenannte Gründungslehrer, der den Aufbau einer neuen Schule leitet, muß nach wie vor ein gestandener Anthroposoph sein und vom Bund der Freien Waldorfschulen in Stuttgart genehmigt werden. Die Schöneberger Waldorfinitiative sucht noch einen solchen. Nachdem sie jetzt einen provisorischen Standort an der Durlacher Straße im Bezirk Wilmersdorf gefunden hat, kann sie wahrscheinlich dennoch nicht, wie erst geplant, schon in diesem Jahr mit dem Unterricht beginnen. Der Gründungslehrer, den sie sich ausgesucht hatte, wurde mittlerweile abgelehnt. Tanja Hamilton

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