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„Nicht noch ein weinerliches Essay“

Frederik Eikmanns, Redak-teur Inland, Jahrgang 1995:

Was ist meine Rolle bei diesem Streik? Eigentlich gar keine, schon klar. Es geht ja um Flinta* und ihren Kampf gegen das Patriarchat. Eine gute Sache, von der ich nicht ablenken möchte, indem ich mich hineindränge.

Aber irgendwie hänge ich ja sowieso mit drin. Zum einen, weil ich qua Geschlecht im Patriarchat mit drinhänge, ob ich will oder nicht. Solche Selbstbezichtigungen hat man schon oft genug gelesen in leicht weinerlichen Essays irgendwelcher Medien-Männer. Das muss hier nicht noch mal sein, auch wenn es natürlich stimmt: Ich bin Adressat des Streiks.

Andererseits hätte ich natürlich auch mitstreiken können. Das Patriarchat schadet auch den Männern, wie man inzwischen ebenfalls in zahlreichen leicht weinerlichen Essays von Medien-Männern nachlesen kann.

Weil ich aber dachte, Männer seien bei dem Streik nicht so gern gesehen (eine Fehlannahme, wie man mir inzwischen gesagt hat), bin ich brav zur Arbeit gegangen und habe zugesagt, diesen Text zu schrei­ben.

Vielleicht tue ich ja aber gerade dadurch meinen Teil? Dass manche nicht arbeiten, fällt vor allem dann auf, wenn andere sehr wohl arbeiten. Würden die Männer heute keine auffallend hässliche und von Leerstellen gesäumte Zeitung produzieren, dann würden die Le­se­r*in­nen womöglich gar nicht merken, dass da was fehlt. Wenn in der App keine neue Ausgabe erschiene, könnte das ja auch einfach an technischen Problemen liegen.

Vielleicht ist das sogar ein echt progressiver Beitrag, den man als Mann zum Streik leisten kann: einen möglichst drögen Hintergrund liefern, vor dem das feministische Projekt umso heller strahlt.

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