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Nicht mehr schräg angeguckt

■ Neue Drobs im Tivoli-Haus wird schon kurz nach dem Einzug gut angenommen

Es stinkt, und es ist laut. Auf dem Breitenweg vor dem Tivoli-Hochhaus ist mittags die Hölle los: Nur bei Rot wird–s für einen Moment erträglich. Der Lärm scheint jene wenigen Junkies und Ex-Junkies nicht zu stören, die draußen vor dem Eingang der Drobs friedlich darauf warten, daß das Café oben im 1. Stockwerk aufmacht. Mittagszeit-Essenszeit. Langsam trudeln weitere Hungrige ein, , stehen am Sexshop, unterm Baum oder am Baugerüst. „Scheiße, noch fünf Minuten“, schreit einer von ihnen, während sich die übrigen in Geduld üben. Noch. Denn schon fünf Minuten später drängeln sich die 17 jungen Männer und Frauen durch das Treppenhaus nach oben. Es gibt heute Reis mit Fleischbällchen und Salat.

In dem fünfzehnstöckigen Koloß am Bahnhof hat das Kontakt- und Beratungszentrum für Junkies und Substituierte seinen Standort nun seit dem 1. August. Bis dahin war die Bauernstraße im Ostertor- Viertel Anlaufstelle. „Es hat sich in den zwei Monaten gezeigt, daß wir jetzt mehr Erstkontakte zu Drogenabhängigen haben als vorher“, zeigt sich die Leiterin der Drobs im Tivoli-Hochhaus, Sabine Frieden-Palland, zufrieden.

Sie und ihre Mitarbeiter seien überrascht über den hohen Zulauf. „Jetzt haben wir täglich um die 100 Café-Besucher“, weiß sie. „Es ist echt ein Phänomen“, sagt sie und vermutet, daß der neue Standort weniger auffällig sei. „Zudem kommen viele Klientel nicht mehr in großen Gruppen, sondern eher einzeln.“ Die Arbeit der Drobs sei nahtlos weitergegangen. Das Angebot werde ausgeweitet. „Wir überlegen, am Dienstag nachmittag für kreative Angebote wieder zu öffnen“, so Sabine Frieden-Palland.

Für Tim Hühnerbein, substituierter Ex-Junkie aus Findorff, hat sich mit dem Drobs-Umzug einiges geändert. „Zum einen ist es hier in den neuen Räumlichkeiten viel heller und freundlicher“, meint der 34jährige am Mittagstisch. „Auf der anderen Seite habe ich den Eindruck, daß wir hier vor dem Hochhaus nicht so schräg angeschaut werden.“ Am Sielwall sei man sofort abgestempelt worden.

Mehr Ruhe findet die 34jährige Substituierte Lisa P. in den neuen Räumen der Drobs. „Es ist einfach angenehmer hier“, auch wenn der Anfahrtsweg vom Viertel, wo sie wohnt, anstrengender sei als vorher. „Aber wer wirklich hierher kommen will, der läßt sich davon nicht abschrecken.“ Dennoch vermutet sie, daß sich die Drogen-Szene wohl nicht vom Sielwall lösen werde.

Auch ein anderen Ex-Junkie fühlt sich im Tivoli-Hochhaus wohler als in der Bauernstraße, „weil es hier sauberer ist“. „Der Hauptgrund ist aber, daß vor dem Hochhaus keine harten Drogen verkauft werden“. Für ihn sei es hier leichter, clean zu bleiben.

Positiv an dem neuen Standort der Drobs sei, daß dort keine Anwohner betroffen seien, findet Karoline Linnert von den Grünen. Sie befürchtet aber, daß das Tivoli-Hochhaus von weniger Leuten aus der Drogen-Scene angenommen werde. Wenn sich dies herausstelle, dann müsse man sich „überlegen, was man dann mit denen macht, die nicht kommen“. Sie glaubt nicht daran, die „Scene“ ganz aus dem Viertel hinauszubekommen. Das Konzept der Bremer Drogenpolitik könnte aufgehen, daß mehrere kleine Scene-Treffpunkte sich für die Stadtteile als weniger belastend erwiesen.

Überrascht ist Michael Gabbert vom 6. Polizeirevier über die derzeitige Situation vor dem Drobs-Eingang. „Es liegen nur ganz vereinzelt Spritzen herum, im Vergleich zur Bauernstraße ist das, was hier an Drogenszene abläuft, absolut nichts, zumindest fällt es nicht auf.“

Im Moment scheint alle Welt zufrieden mit der Hochhaus-Lösung. Natürlich auch Bodo Bilinski, Bauernstraßen-Bewohner und langjähriger Gegner des Drobs-Standortes dort. Nicht am Sielwall-Eck, aber in der Bauernstraße sei es deutlich ruhiger geworden, seitdem dort nicht mehr so viele Hilfsangebote konzentriert seien. „Diese Straße nimmt langsam wieder den Charakter einer Wohnstraße an.“ hau

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