Nicht-Öffentliches der Geno-Versammlung : Abschied, Tränen und ein Appell
Am 19. September 2026 fand die jährliche Mitgliederversammlung der taz Genossenschaft statt. Worüber die Genoss*innen beim nichtöffentlichen Teil am Morgen abgestimmt haben, erfahren Sie hier.
Foto: Sonia Dipi
taz Genossenschaft | Wie schon die Jahre zuvor kamen auch diesmal bei der jährlichen Versammlung die taz Genoss*innen und Kolleg*innen zahlreich im Festsaal Kreuzberg zusammen. Schon vor der Mittagspause gab es viel zu besprechen.
Geschäftsführer Andreas Marggraf ging beim formalen Teil der Versammlung gleich zur Sache: Bei der vergangenen Geno-Versammlung sei die geplante Seitenwende bereits rege diskutiert worden, jetzt werde ausgewertet. Das fällt vor allem positiv aus: 91 Prozent der taz-Leser*innen sind bei ihrem Abo geblieben, trotz Wegfallen der täglich gedruckten Zeitung, wochentaz ausgenommen.
„Wir sind glücklich und dankbar, das ist ein überaus gutes Ergebnis“, sagte Marggraf. Zu den Abos kämen mehr als 50.000 Unterstützer*innen hinzu, die der taz im taz-zahl-ich-Modell mit rund 7 Euro pro Person den Rücken stärken.
Jens Pohlmann, Aufsichtsrat der taz, verwies auch auf den Zuwachs von Mitgliedern: Insgesamt mehr als 26.000 zähle die Genossenschaft mittlerweile. Etwa die Hälfte von ihnen habe auch die taz abonniert. 2025 habe es die taz so geschafft, eine halbe Million Euro mehr einzunehmen als im Vorjahr, also 3,5 Millionen.
Streitpunkt Künstliche Intelligenz
Die Zukunft der taz ist anfechtbar
Genossenschaftsversammlung 2026
Hauptsache miteinander reden
Wohlverdienter Ruhestand für den taz-Steuerberater
560 Genoss*innen und Gäste hielten sich an diesem Samstag physisch im Festsaal auf, über 400 hatten sich online dazugeschaltet. Zum Abstimmen, aber auch um Fragen zu stellen und Anmerkungen zu äußern, die von Geschäftsführung und Aufsichtsrat beantwortet wurden.
So meinte ein Abonnent und Genosse seit den 1990er Jahren, dass er trotz anfänglicher Zweifel über die Seitenwende so glücklich mit der taz sei wie noch nie: „Wir sind viel mehr als nur eine Zeitung“. Zustimmender Beifall aus dem Saal.
Nach einer kurzen Kaffeepause ging es weiter. Bernhard Brugger, langjähriger Steuerberater der taz, wurde mit 74 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Mit Fotos und Anekdoten ehrten der ehemalige taz-Geschäftsführer Kalle Ruch, der Chef der Buchhaltung Thomas Purps und Geschäftsführerin Aline Lüllmann den per Zoom zugeschalteten tazzler.
„Wenn Bernhard kommt, werden die Zahlen besser“, sagte Purps über die Zusammenarbeit und erntete zustimmendes Lachen. Am Ende ihrer Rede liefen Lüllmann ein paar Tränen über die Wangen; auch Brugger entwich bei der Danksagung an seine Kolleg*innen ein Schluchzen.
„Geld ist nicht alles“
Nach der Verabschiedung folgte eine Begrüßung: Konny Gellenbeck wurde mit 99,66 Prozent der Stimmen zum neuen Kuratoriumsmitglied der taz panterstiftung gewählt. Den allermeisten Menschen bei der Mitgliederversammlung war sie wohlbekannt, schließlich ist Gellenbeck seit 1986 Teil der taz, baute die Genossenschaft mit auf und gründete 2008 die taz panterstiftung.
Bis 2024 war sie dort Vorständin. „Geld ist nicht alles“, sagte Gellenbeck in ihrer Rede vor der Abstimmung. „Aber es schafft Möglichkeiten“. Dass die taz gut finanziell ausgestattet sei, liege daran, dass sie „ein Solidaritätsprojekt“ sei, sagte sie.
Der Vormittag endete mit einer ebenso eindrücklichen wie emotionalen Keynote zum Thema „Demokratie in Gefahr. Von Tech Bros, KI und Digitalem Faschismus“ von Astrid Deilmann. Sie ist im taz Aufsichtsrat sowie Geschäftsführende Vorständin bei Campact.
Krise der demokratischen Öffentlichkeit
Ihre Großmutter habe nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt geweint, begann Deilmann mit einer persönlichen Anekdote. Während sie davon erzählte, war auch sie den Tränen nahe, fasste sich aber schnell und ließ von da an keine Sekunde aus, um mit scharfer Analyse und anschaulichen Erklärungen auf die Gefahr von Big Tech für die Demokratie hinzuweisen.
„Der Aufstieg von Rechten wäre ohne Big Tech nicht möglich“, sagte sie. Tech-Milliardäre schafften sich ihr politisches System so, wie es ihre wirtschaftlichen Zwecke am besten bedient. „Silicon Valley zerstört demokratische Öffentlichkeit“, sagte Deilmann. Fake News und Hasskampagnen fluteten das Internet und erweckten durch ihre Masse das Gefühl von Relevanz. Als Beispiel dafür nannte Deilmann die Hetz- und Falschinformationskampagne gegen Frauke Brosius-Gersdorf vergangenes Jahr.
Die Sicherung von Qualitätsjournalismus sei daher essenziell, um die Demokratie zu bewahren. Denn die Delegitimierung von Medien, Wissenschaft und Zivilgesellschaft trage aktiv dazu bei, diese schrittweise abzubauen. „Widersprecht und seid laut, auch, wenn es niemand sonst ist“, appellierte Deilmann abschließend. „Big Tech ist keine Naturgewalt.“
Mit stehendem Beifall, zustimmenden Pfiffen und Rufen nach der schriftlichen Veröffentlichung der Keynote in der taz endete der nichtöffentliche Teil der Veranstaltung.
🐾 Mehr über die Genossenschaftsversammlung 2026 erfahren Sie hier.