Neues Tool im Anti-Doping-Kampf: Beliebt wie eine Zecke

In der Dopinganalyse steht eine neue Methode vor der Praxisreife. Das Dried-Blood-Spot-Verfahren kann viel, aber es kommt recht spät.

Leichter Transport, breite Nachweismöglichkeiten: Mit getrocknetem Blut ist viel möglich Foto: imago

In Deutschland gibt es den Gemeinen Holzbock, die Auwaldzecke oder die Braune Hundezecke. Seit Kurzem ist nun in Sportlerkreisen auch die „Nada-Zecke“ verbreitet. Sie besteht im Unterschied zu den kleinen Blutsaugern aus Plastik und ist um ein Vielfaches größer. Die Nada-Zecke ist benannt nach der Nationalen Antidoping-Agentur und heißt im Fachjargon „Tasso Device“, aber weil es wie die lästigen Parasiten ein paar Tropfen Blut vom Wirt abzapft, haben die Athleten schnell eine eingängige Bezeichnung für das Teil gefunden, dessen Benutzung noch freiwillig ist.

Sie können das Instrument an ihrem Oberarm anbringen, wo „das Gewebe kurz angeritzt“ wird, wie Andrea Gotzmann, Vorstandsvorsitzende der Nada, schildert, und dann läuft etwas Blut auf vier sogenannte Spots, kleine Papierflächen. Das Blut trocknet und kann später in Laboren analysiert werden. Das Verfahren nennt sich Dried Blood Spot (DBS) und kommt schon länger zur Diagnostik von Anomalien, etwa in der pränatalen Medizin, zur Anwendung. Nun soll die DBS-Methode auch endlich in der Dopinganalytik genutzt werden.

„Wir bleiben dran“

„Das ist eine vielversprechende Methode“, sagt Gotzmann, „und ein sehr zielführendes Projekt.“ Die Nada hat zuletzt 30 Sportler angeschrieben, ob sie sich nicht so eine neumodische Zecke an den Arm setzen wollen. Die Hälfte war einverstanden, testete und verbreitete die Bilder mitunter sogar im Netz. Jetzt geht der Testlauf mit weiteren 100 Sportlerinnen und Sportlern weiter. „Wir bleiben dran“, verspricht Gotzmann. Es wird auch langsam Zeit, dass die Dopingkontrolleure diese Trockenblutkontrolle durchführen können – neben der herkömmlichen Abnahme von Urin und (flüssigem) Blut.

Der Missbrauch von Anabolika, Hormonen, Stimulanzien oder Narkotika kann nachgewiesen werden

Schon seit 2015 hätte DBS in den Kanon der Kontrollmöglichkeiten aufgenommen werden können, wenn der Wille dagewesen wäre. Aber die Praxisreife verzögert sich bis heute. „Warum es so lange dauert, weiß ich auch nicht“, sagt die Nada-Chefin und verweist auf die schwierige und langwierige Arbeit in den Gremien. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) will das Zecken-Teil erst bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking nutzen, aber wer weiß, vielleicht setzt sich die Methode durch die Verkomplizierung der Kontrollen in Zeiten von Corona schon früher durch. Leistungsstark ist DBS auf jeden Fall.

Nachweis von Epo und Anabolika

Mit der Trockenblut-Methode kann der Missbrauch von Anabolika, Peptidhormonen, Stimulanzien oder Narkotika nachgewiesen werden, ja, selbst der Nachweis von Epo und Wachstumshormonen ist möglich. DBS stellt eine Ergänzung zu den bisher üblichen Verfahren dar, „es ist nicht eins zu eins mit den bisherigen vergleichbar, aber die Kombination aller Systeme wird die Abschreckung erhöhen“, hofft Gotzmann. „Es ist ein weiteres Tool“, eines, das gewisse Vorteile hat.

Es ermöglicht wie jetzt in Pandemiezeiten nicht nur den Nachweis von Sars-CoV-2-Antikörpern, also der Immunreaktion auf das Virus, das in der Apparatur getrocknete Blut kann auch leicht und bei normaler Umgebungstemperatur transportiert werden. Aufwändige Kühlung entfällt, was Dopingtests in bestimmten Klimazonen auf ein neues Niveau heben könnte. Auch kurz vor einem Wettkampf könnte auf Blutparameter getestet werden, wodurch die Manipulation mit Eigen- oder Fremdblut unmittelbar vor dem Sport­event verhindert werden könnte.

Zu den Pionieren der Entwicklung gehört die Antidoping-Agentur der Schweiz, die bereits 2011 die Einführung von DBS angeschoben hat, 2015 hat die deutsche Nada die „Praxistauglichkeit überprüft“ und 52 Proben genommen. Ein Jahr später wurden 51 Proben von Sportlern in elf Sportarten genommen.

Dann wurde es lange Zeit still. Erst in diesem Jahr scheint die DBS-Methode erneut in den Fokus zu rücken, was verwundert, weil sie nicht nur den Transport von Proben erleichtert, sondern auch eindeutige Vorteile hat: etwa beim Nachweis von ACTH, eines Hormons, das im Gehirn gebildet wird; es regt die Nebennierenrinde zur Synthese von Glukokortikoiden an und nimmt indirekt Einfluss auf die Produktion von Insulin.

Wann DBS in Deutschland zur Anwendung kommt, kann Andrea Gotzmann nicht sagen. Es müsse ein valides Verfahren gewährleistet werden, sagt sie. Soll wohl heißen: Die Methode ist gut, aber die Welt noch nicht bereit.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de