Neuer „Wallace & Gromit“-Film: Tierisch toxisch
Im neuen Stop-Motion-Film „Wallace & Gromit“ kämpft das Duo gegen künstliche Intelligenz. Der Gartenzwerg-Roboter Norbot wird vom Helfer zur Gefahr.
Vor Kurzem schrieb eine berühmte blonde Internetpersönlichkeit: „Ich habe gelovebombt, gegaslighted, manipuliert und von Exklusivität gesprochen […]. Man hat mir oft neue Chancen eingeräumt, bei denen ich Besserung und Reflexion geschworen habe, mein Verhalten hat sich dabei aber nicht geändert.“ Zwar stammt dieses Geständnis nicht aus Wallaces Feder, doch sein Opfer und Haustier, Gromit, hätte eine öffentliche Entschuldigung wie diese verdient.
Das Beagle-Mensch-Duo aus „Wallace & Gromit“ entspricht einer toxischen Beziehung par excellence. Wallace, ein respektloses Erfinderarschloch, das sich nicht bewusst ist, wie viel Leid es anrichtet. Gromit, sein stummer Hund, ein Enabler, für den man fast keine Sympathie mehr aufbringen kann, so knechtisch nimmt er Wallaces Dummheit hin. „Trenn dich von ihm“, will man zum Bildschirm rufen. Doch die aus Knete geformten Ohren hören nicht.
Empfohlener externer Inhalt
Trailer

Im neuen Stop-Motion-Spielfilm – knapp zwanzig Jahre nach dem letzten Teil – erschafft Wallace sein persönliches Frankenstein-Monster, den Roboter Norbot: Die künstliche Intelligenz mit Gartenzwergkörper soll Gromit beim Gärtnern helfen.
Knetfiguren-Film warnt vor KI
Dieser wird von seinem Besitzer nach der Schöpfung vollkommen vernachlässigt – all die Liebe, die Wallace aufbringen kann, gilt Norbot. Als seine Basiseinstellung bald von „gut“ auf „böse“ umschaltet, muss besonders Wallace lernen, dass Technologie nicht immer harmlos, sondern regelrecht gemeingefährlich ist.
„Wallace & Gromit: Vergeltung mit Flügeln“
auf Netflix
Ein aufwendiger Animationsfilm mit Knetfiguren warnt vor den Gefahren von KI, die sich vom Menschen löst: Wer könnte solch eine Warnung denn authentischer aussprechen als dieser Film? Besonders, wenn man auf den kleinen Figürchen noch ganz schwach die Fingerabdrücke der Macher erkennt, wird einem bewusst, dass maschinelle Perfektion diesen Charme missen lässt.
Charme und Wärme, das sind auch Eigenschaften, die Wallace fehlen. Wenigstens streichelt er Gromit am Ende mit eigener Hand und nicht mehr mit einer dafür gebauten Maschine. Fehlt nur noch sein Entschuldigungspost auf Twitter und der dazugehörige Shitstorm.
Mit reinem Gewissen wissen
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Koalitionsverhandlungen
Der SPD scheint zu dämmern: Sie ist auf Merz reingefallen
Parkinson durch Pestizide
Bauernverband gegen mehr Hilfe für erkrankte Bauern
Iranische Aktivistin über Asyl
„Das Bamf interessiert wirklich nur, ob du stirbst“
Anlegen nach dem Crash
Ruhe bewahren oder umschichten
Von Frankreich lernen
Wie man Rechtsextreme stoppt
Strafe wegen Anti-AfD-Symbolik
Schule muss Tadel wegen Anti-AfD-Kritzeleien löschen