Neuer Chef der Deutschen Bank: Der Job passt zum Glauben

Der neue Chef der Deutschen Bank Anshu Jain heißt nicht nur Jain, sondern ist auch Jain. Er gehört also einer in Indien beheimateten Religion an.

Folgt auf Ackermann: Anshu Jain. Bild: reuters

Normalerweise spielt Religion im Geschäftsleben eines Bankers kaum eine Rolle mehr. Das ist sicherlich auch bei Anshu Jain so, dem neuen Ko-Chef der Deutschen Bank. Zumindest hat er sich bislang nicht damit gebrüstet, dass er nicht nur Jain heißt, sondern auch Jain ist, Angehöriger einer indischen Religion. Und doch lohnt sich der Blick, was es mit den Jains auf sich hat – vor allem aber, ob sich sein Job mit seinem Glauben verträgt.

Der Jainismus geht auf das 5. Jahrhundert vor Christus zurück. Ähnlich den Buddhisten sind Jains friedliebend und setzen auf eine strenge Askese. Was sie besonders macht: Sie pflegen das Ideal, kein Lebewesen zu töten. Deswegen sind sie nicht nur Vegetarier. Jains lehnen es auch ab, sich von pflanzlichen Stoffen zu ernähren, wenn die Pflanze dabei draufgeht. Mangos und Bananen dürfen sie von den Bäumen pflücken – sofern der Baum überlebt. Zwiebeln und Kartoffeln dürfen sie nicht essen. Auch Hülsenfrüchte sind tabu.

Diese strenge Lebensführung hat dazu geführt, dass Jains auch viele Berufe nicht ausüben dürfen. Weder ist ihnen das Kriegshandwerk erlaubt noch die Viehwirtschaft. Weil sie beim Pflügen Lebewesen töten könnten, ist ihnen auch die Agrarwirtschaft untersagt. Deshalb haben sie sich dem Handel und dem Bankgewerbe zugewandt. Es kommt also nicht von ungefähr, dass ein Jain Herr einer der mächtigsten Banken der Welt wird.

Allerdings: Banken sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Und Anshu Jain hat dazu beigetragen. Aus einer einst soliden Geschäftsbank hat er die Deutsche Bank zu einem der größten Player im Investmentbanking geformt. Und damit nicht genug: Foodwatch wirft der Deutschen Bank vor, auch bei Spekulationen auf Lebensmittel ganz vorne dabei zu sein. Sie trage Schuld am Hungertod von Millionen.

Anshu Jain ist nun in der Position, sich von dieser Sparte zu lösen, auch von Investitionen, die mit Krieg, Agrar oder Insektenvernichtung zu tun haben. Das mag der Deutschen Bank weh tun. Die Jains aber können Banker bleiben.

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