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Neckarwestheim auf wackligem Grund

■ Stuttgarter Geologe legt Gutachten vor: Untergrund des AKWs demnach erdbebengefährdet / Vorliegende Erkenntnisse waren der Öffentlichkeit bislang vorenthalten worden / Neue Anhörung nach dem Atomgesetz gefordert / Proteste von „Strom ohne Atom“

Stuttgart (ap/taz) - Das baden-württembergische Gemeinschaftskernkraftwerk Neckarwestheim II steht nach einem Bericht des Stuttgarter Geologen Hermann Behmel auf unsicherem Untergrund und ist möglicherweise nicht ausreichend vor Erdbeben geschützt. In den vergangenen Jahren seien neue Erkenntnisse über den Standort bekannt geworden, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht worden seien. Der Süddeutsche Rundfunk veröffentlichte gestern Einzelheiten aus einem Fernsehbeitrag, in dem der Stuttgarter Geologe Hermann Behmel die Sicherheit des AKW -Standortes erheblich anzweifelt und eine neue öffentliche Anhörung nach dem Atomgesetz fordert.

Behmel hält Neckarwestheim den Angaben zufolge für „den denkbar ungünstigsten Standort, von der Tektonik, vom Gestein und vom Grundwasser her“. Er stützt seine Aussagen auf Untersuchungen des geologischen Landesamtes Baden -Württemberg. Erst zwei Jahre nach der 1982 erteilten Baugenehmigung sei anhand geologischer Karten erkannt worden, daß der zweite Block des Atommeilers auf mehreren sogenannten Blattverschiebungen stehe, bei denen zwei Erdschollen in entgegengesetzter Richtung aneinander vorbeiwanderten. Eine solche Störung läuft dem Stuttgarter Wissenschaftler zufolge direkt unter dem Maschinenhaus des Atomreaktors hindurch.

Entlang dieser Störungen bewege sich der Untergrund auch heute noch. Es bestehe Gefahr für Fundamente und Leitungen.

Während das geologische Landesamt davon ausgeht, daß diese Verschiebungen keinen Einfluß auf den AKW-Komplex haben und das baden-württembergische Wirtschaftsministerium Messungen für unnötig hält, bleibt Behmel bei seiner Behauptung, der Untergrund sei nicht erdbebensicher. Unter dem AKW könnten sich in einer Gipsschicht Hohlräume bilden oder möglicherweise bereits gebildet haben.

Am vergangenen Sonntag hatten Mitglieder der Gruppe „Strom ohne Atom“ einen Strommast vor dem AKW Neckarwestheim besetzt und dort übernachtet. Am Montag hatten dann etwa 70 AKW-GegnerInnen die drei Zufahrtstore zum Werksgelände blockiert. Dabei war es zu insgesamt 16 Festnahmen gekommen. Die Gruppe „Strom ohne Atom“ protestiert dagegen, daß mit dem Block II Neckarwestheim der letzte in diesem Jahrhundert gebaute Reaktorblock in ungefähr einem Monat in Betrieb gehen soll.

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