: Nebenwirkungen
■ betr.: „Antibabypille unter Krebs verdacht“, taz vom 19.8.94
Die Meldung über die erheblichen gesundheitlichen Risiken von Androcur ist keine neue Erkenntnis. Schon Mitte der achtziger Jahre berichtete der Spiegel über verheerende Nebenwirkungen wie Leberschäden bis hin zu schweren Depressionen. Allerdings ging es in diesem Artikel nicht um die Behandlung von Prostatakrebs: Jahrzehntelang wurde Androcur zur chemischen Kastration von Homosexuellen eingesetzt, die mit dem (vor kurzem abgeschafften) § 175 StGB in Konflikt geraten waren.
Auch heute noch werden in zahlreichen Anstalten trotz des Wissens um diese Nebenwirkungen Menschen mit diesem Mittel zwangsbehandelt. Christoph Kaute, Münster
[...] Diane wird hauptsächlich Frauen verordnet, die eine Empfängnisverhütung wünschen und/ oder ärztlich diagnostiziert, vermehrten Haarwuchs im Gesicht, an den Armen und Beinen oder auch Akne haben.
400.000 Frauen nehmen pro Jahr in der Bundesrepublik Diane ein. Dieses Produkt hat jährliche Zuwachsraten von 30 Prozent. Nach Auffassung des FFGZ läßt sich dies darauf zurückführen, daß die Indikation „zuviel Haarwuchs“ (Hirsutismus) in den letzten Jahren von ÄrztInnen zunehmend und in unangemessener Weise gestellt wird. Die Hormonwerte der meisten Benutzerinnen, die über die Höhe der männlichen Hormone im Blut Aufschluß geben, liegen allerdings im normalen Referenzbereich. Diese Antibabypille wird also häufig aus kosmetischen Gründen verschrieben, aber aufgrund der Indikation von der Krankenkasse bezahlt. Die Firma Schering wirbt explizit mit dem mangelnden Selbstbewußtsein, das bei Frauen durch einen stärkeren Haarwuchs angegriffen sei.
Die Schönheitsnorm, wie Frauen auszusehen haben, umfaßt mittlerweile Haarlosigkeit im Gesicht, an den Armen und Beinen, so daß zunehmend normal behaarte Frauen als krank dargestellt werden. Das FFGZ weist darauf hin, daß diese gesunden Frauen mit Diane ein Medikament einnehmen, das den Haarwuchs nicht auf Dauer verhindert, sondern nur während der Einnahme verringert. Nach Absetzen der Pille wachsen die Haare weiter. Zudem berichten viele Frauen von Nebenwirkungen wie Übelkeit und depressiven Verstimmungen. Eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung läßt es unserer Meinung nach für diese gesunden Frauen fraglich erscheinen, ob sie ein Mittel mit den genannten möglichen Folgewirkungen einnehmen sollten. Martina Schröder,
Feministisches Frauen Gesund-
heitszentrum e.V., Berlin
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen