Naturschutz: Hamburger Hafen will wachsen

Der Hamburger Hafen will trotz Wirtschaftskrise expandieren. Für neu versiegelte Flächen müssen die Hafenbetreiber keinen Ausgleich leisten – noch nicht.

Hamburger Hafen am frühen Morgen. Bild: dpa

Der Hamburger Hafen reagiert auf die Weltwirtschaftskrise mit einem milliardenschweren Investitionsprogramm. Im zurückliegenden Krisenjahr war der Umschlag um 30 Millionen Tonnen gesunken. Inzwischen sieht Hafen-Vorstand Claudia Roller "eine leichte Aufwärtsentwicklung".

Wie gewonnen, so zerronnen. 2009 waren nur noch 7 Millionen Container durch das Tor zur Welt geschippert, nach fast 10 Millionen im Jahr zuvor. Damit endete ein Containerboom, der seit der deutschen Einheit fast in jedem Jahr zweistellige Wachstumsraten brachte und den Hafen zur Nummer zwei in Europa beförderte.

Zusätzlicher Motor für den Boxenboom war die Osterweiterung der Europäischen Union, denn Hamburg bildet die Drehscheibe zwischen den asiatischen Zulieferern und den Fabriken östlich der Elbe. Und auch die Konsumartikel aus Asien für die russischen Öloligarchen durchlaufen die Hansestadt.

Wie zur Zeit der Hanse werden die Waren und Güter für den Ostseeraum in Hamburg angelandet, verarbeitet und weiterverschifft. Ausgerechnet das Hamburger Hinterland in Mittel- und Osteuropa wurde jedoch von der Weltwirtschaftskrise besonders hart getroffen. So ging der Welthandel 2009 um 14 Prozent zurück, der Hamburger Containerumschlag jedoch um das Doppelte.

Das Tonnenloch hat jedoch auch hausgemachte Gründe. Von allen Nordseehäfen an der sogenannten Nordrange über Bremen, Antwerpen bis Le Havre hat Hamburg mit weitem Abstand am meisten Umschlag verloren. Der Hafen führt dies auch auf die geringe Elbtiefe zurück. Rotterdam nutzte die Krise, um durch Dumpingtarife Marktanteile zu gewinnen und den größten Konkurrenten abzuschütteln.

Und der uralte Hanse-Konkurrent Bremen verpasst sich als "Greenport" in der Krise ein zumindest zeitgemäßes Image – mit emissionsarmem Landstrom für Schiffe, insektenfreundlichen Lichtquellen und weiträumigen Ökoausgleichsflächen für Baumaßnahmen.

Gerade daran mangelt es in Hamburg. Bislang können hier dank des "Hafenprivilegs" Baumaßnahmen im Großen wie im alltäglichen Kleinen ohne entsprechende Ausgleichsmaßnahmen vorangetrieben werden. Außerhalb von Häfen schreibt das alte Bundesnaturschutzgesetz eine Kompensation durch Entsiegelung von Böden oder Neuanpflanzungen von Bäumen vor. Das Hafenprivileg senkt die Kosten der Unternehmen und ist ein Wettbewerbsvorteil. Ein solches Sonderrecht gibt es in keinem anderen deutschen Hafen.

Damit könnte bald Schluss sein. Am 1. März tritt ein neues Bundesnaturschutzgesetz in Kraft, und das könnte das Hafenprivileg versenken. Davon ist jedenfalls der Naturschutzbund (Nabu) überzeugt. Hamburgs Wirtschaftssenator Axel Gedaschko (CDU) sieht jedoch "Mittel und Wege", um das Hafenprivileg zu retten. Der Nabu bereitet eine Klage vor.

Gedaschko lässt sich auch sonst nicht von seinem Kurs abbringen. Er wolle die Krise "antizyklisch angehen", und außerdem sehe er schon "mehr als einen Silberstreifen am Horizont", sagt er. Der ausgeschriebene Zentralterminal Steinwerder CTS soll bis 2020 neu gebaut werden, der Eurogate-Terminal soll nach Westen und der fast vollautomatische Containerterminal Altenwerder nach Norden erweitert werden.

Mit dem Neubau der 80 Millionen Euro teuren Rethebrücke habe man begonnen, die Elbvertiefung werde noch dieses Jahr angegangen. Zur Finanzierung hat der schwarz-grüne Senat eine Milliarde Euro aus der Teilprivatisierung des Hamburger Logistikkonzerns HHLA zurückgelegt.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de