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Nato-Angriff auf Serben-Vormarsch

■ Nato reagiert mit zweitem Luftangriff auf die Fortsetzung der serbischen Eroberung Goraždes

Sarajevo/Brüssel (dpa/AP/AFP) – Gestern um 14.24 Uhr mitteleuropäischer Zeit haben Kampfjets der Nato erneut serbische Stellungen vor Goražde bombardiert. Dabei sollen mehrere Panzer und Schützenpanzer getroffen worden sein. Trotz dieses zweiten Luftangriffs innerhalb von 24 Stunden ging nach Angaben der UNHCR-Sprecherin Lyndell Sachs der Beschuß Goraždes durch serbische Artillerie mit„nahezu unveränderter Intensität“ weiter. In einer ersten Reaktion kündigte der bosnische Serbenführer Radovan Karadžić an, er könne für das Wohlergehen von UN-Mitarbeitern in Bosnien keine Garantie mehr übernehmen. „Wenn die Vereinten Nationen mit Luftangriffen serbisches Leben bedrohen, kann das Verhalten unserer Soldaten nicht mehr kontrolliert werden.“

Dem zweiten Nato-Angriff auf die Belagerer von Goražde waren neuerliche serbische Angriffe auf die mit Flüchtlingen vollgestopfte Stadt vorausgegangen. Trotz eindringlicher Warnungen Butros Ghalis und seines Vertreters Yasusha Akashi, den ersten Angriff ernst zu nehmen und den Beschuß der Stadt einzustellen, feuerten serbische Geschütze bereits am Morgen wieder Granaten in die Stadt. Nach Angaben einer UNO-Mitarbeiterin soll unter anderem eine Schule, in der Flüchtlinge untergebracht sind, getroffen worden sein. Erste noch unbestätigte Berichte sprechen von 200 Verletzten.

An der neuen Attacke waren nach Nato-Angaben zwei Angriffsjäger des Typs F/A-189 „Hornisse“ der US-Marines beteiligt. Ob beide Maschinen Bomben abwarfen, blieb vorerst offen. Unmittelbarer Anlaß für das erneute Eingreifen der Nato-Jets war offenbar der Versuch einer serbischen Panzerkolonne, an einer Stelle des Kessels um die Stadt die Front zu durchbrechen und ins Zentrum von Goražde vorzustoßen.

Damit scheint die Gefahr zu wachsen, daß die Kesselschlacht um Goražde zunehmend von serbischen Panzertruppen auf der einen und Nato-Flugzeugen auf der anderen Seite entschieden wird. Die Nato erklärte, ihr Einsatz gelte dem Schutz von UNO-Personal. Der US-Sonderbeauftragte Charles Redman hatte unmittelbar vor dem zweiten Angriff die Lage der UNO-Schutzzone Goražde, in der 65.000 Menschen zusammengedrängt sind, als kritisch bezeichnet.

Der serbische Präsident Slobodan Milošević erklärte, der Angriff habe „die Illusion zerstört, daß die Staatengemeinschaft im Bosnienkonflikt neutral“ sei. Mit der Intervention der Nato sei die UNO „offen auf seiten der Muslime in den Bürgerkrieg eingetreten, was zu verurteilen ist“.

US-Präsident Bill Clinton bezeichnete die Luftangriffe dagegen als „völlig angemessene“ Antwort zur Sicherung der UNO-Schutzzone Goražde. Er sagte, die beiden Angriffe seien von der UNO angefordert und unter dem bestehenden UNO- Reglement ausgeführt worden. Der russische Präsident Boris Jelzin protestierte bereits nach dem ersten Luftangriff am Sonntag, daß sein Land nicht informiert worden sei. Jelzin, der gestern nach Madrid flog, sagte, er habe mit Clinton telefoniert. Er sagte: „Ich bestehe weiter darauf, daß Fragen wie Luftangriffe auf serbische Stellungen nicht ohne vorherige Konsultationen zwischen den USA und Rußland entschieden werden können.“ Ob Rußland nun vor dem zweiten Angriff informiert wurde, ist unklar. Seiten 2 und 10

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