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NachrufDer Mann ohne Profil

■ Der Ex-FDGB-Chef Harry Tisch ist tot

Harry Tisch war als Chef der DDR-Gewerkschaft „Freier Deutscher Gewerkschaftsbund“ (FDGB) ein typischer Vertreter des bürokratischen Sozialismus. Der FDGB mit seinen fast zehn Millionen Mitgliedern diente vor allem dazu, die ehrgeizigen Volkswirtschaftspläne des SED-Politbüros zu erfüllen. Im höchsten Machtgremium der DDR, in dem der am 28. März 1927 geborene Tisch seit 1975 saß, galt der gelernte Bauschlosser als Mann ohne Profil.

Nach dem vom Politbüro erzwungenen Rücktritt Honeckers am 18. Oktober 1989 versuchte Tisch das Ruder herumzureißen und sprach sich plötzlich für einen Reformkurs des FDGB aus. Doch seinen erzwungenen Rücktritt zögerte er damit nur hinaus. Das Berliner Landgericht verhängte gegen Tisch im Juni 1991 eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten wegen Veruntreuung von Gewerkschaftsgeldern. Die Untersuchungshaft wurde auf die Strafe angerechnet, und Tisch konnte den Gerichtssaal als freier Mann verlassen.dpaFoto: AP

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