Nachrichten von 1914 – 11. Juli

„Spanner“ und „Lauscher“

Liebespaare haben es im Berliner Grunewald mit erpresserischen Spannern zu tun. Die Täter geben sich als Polizisten aus und bringen die Paare um ihr Geld.

Zu viel Trubel für Liebespaare: Potsdamer Platz in Berlin. Bild: Bundesarchiv, Bild 183-R52689 / CC-BY-SA

Gemeingefährliche Burschen treiben seit einiger Zeit im Grunewald ihr Unwesen. Sie treten als falsche Kriminalbeamte auf und überraschen Liebespärchen. Nach Art der Spanner belauschen die gefährlichen Menschen die Pärchen und tauchen dann plötzlich vor den Erschrockenen auf, um sich als Kriminalbeamte vorzustellen. Und nun beginnt die Erpresserische Tätigkeit der Unholde.

Sie beschuldigen die jungen Leute strafbarer Handlungen und drohen mit Anzeigen. Dreist fordern sie die Pärchen auf, mit zur nächsten Polizeiwache zu kommen, doch auf dem Weg dahin lassen sie durchblicken, dass die Sache auch auf „andere Weise“ beigelegt werden könne, und zwar durch Hergabe von Geld. Um sich Ungelegenheiten zu ersparen, geben die „Sistierten“ gern her, was sie an barem Gelde bei sich führen.

Solche Fälle sind in der letzten Zeit fortgesetzt vorgekommen, und von der Polizei werden besondere Patrouillen zur Beobachtung der Spanner angehalten. Es ist auch gelungen, eine ganze Reihe der gefährlichen Gesellen unschädlich zu machen. In allen Fällen kommen Berliner Verbrecher in Betracht.

aera online ist die Simulation einer Live-Berichterstattung aus dem Jahr 1914. Das Magazin veröffentlicht Nachrichten, die auf den Tag genau vor hundert Jahren von den Menschen in Deutschland in ihren Zeitungen gelesen wurden. Drei historische Zeitungen wurden aus den Archiven gehoben und ausgewertet. Die Texte sind im Wortlaut erhalten, Überschriften und Kurz-Zusammenfassungen wurden teilweise modernen Lesegewohnheiten angepasst.

Das Projekt ist eine Kooperation der zero one film und der Leuphana Universität Lüneburg. taz.de kooperiert mit dem Magazin und veröffentlicht jeden Tag ausgewählte Nachrichten von 1914. Das gesamte aera online Magazin finden Sie hier.

Auf dem Tempelhofer Felde, im Friedrichshain und im Humboldthain haben sich ähnliche Fälle ereignet.

Quelle: Berliner Tagblatt

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