Mordfall Daphne Caruana Galizia

450.000 Euro für die Tötung

Ein maltesischer Geschäftsmann hat für den Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia gezahlt. Das geht aus abgehörten Telefonaten hervor.

Eine Foto der getöteten Journalisten Daphne Caruana Galizia zwischen Blumen

Kein Vergessen an die Journalistin Caruana: ein Foto zum Gedenken in Valetta Foto: Guglielmo Mangiapane/reuters

BERLIN taz | Für den Mord an der Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia hat der maltesische Geschäftsmann Yorgen Fenech 450.000 Euro bezahlt. Das geht aus von der Polizei abgehörten Telefonaten zwischen Fenech und einen Mittelsmann namens Melvin Theuma hervor. Beide waren in den vergangenen zwei Wochen von der Polizei auf Malta verhaftet worden.

Die Zeitung Malta Today hatte am Donnerstag zuerst über die neuen Erkenntnisse berichtet. Ungeklärt ist weiter, ob auch die drei kürzlich zurückgetretenen Minister aus dem Kabinett von Premier Joseph Muscat an dem Mordauftrag beteiligt waren.

Galizia war am 16. Oktober 2017 vor ihrem Haus auf Malta mit einer Autobombe getötet worden. Sieben Wochen später hatte die Polizei auf Malta drei Männer festgenommen: Die beiden Brüder Alfred und George Degiorgio sowie Vincent Muscat. Die maltesischen Staatsangehörigen mit langem Vorstrafenregister sollen die Bombe gebaut und gelegt haben. Sie hatten im Dezember 2017 vor Gericht auf nicht schuldig plädiert und sitzen seither im Gefängnis. Ein Urteil ist noch nicht ergangen. Bislang war unklar, wer sie beauftragt hatte.

Bald nach ihrer Verhaftung beantragten die drei, auf Kaution freigelassen zu werden. Die Justiz lehnte das ab. Aus diesen Tagen stammen den Berichten zufolge die nun bekannt gewordenen abgehörten Telefonate zwischen Fenech und Theuma. Die beiden hatten sich nach ihrer Verhaftung in den vergangenen Tagen unabhängig voneinander als Kronzeugen angeboten.

Schembri offiziell Verdächtiger

Fenech hat Bezüge zu zwei Ministern des Inselstaats: Stabschef Keith Schembri und Tourismusminister Konrad Mizzi. Beide hatten in der Karibik Briefkastenfirmen aufgebaut, an die Fenech offenbar Schmiergeldzahlungen geleistet hatte. Zuvor hatte Fenech 2013 die Konzession für den Bau eines Gaskraftwerks auf Malta erhalten.

Daphne Galizia war die Erste, die 2015 über diese Verbindungen berichtet hatte. Die Familie der Journalistin hatte deshalb schon unmittelbar nach ihrem Tod den Verdacht geäußert, dass die beiden Minister der sozialdemokratischen Regierungspartei PL etwas mit dem Mord zu tun haben.

Der Unternehmer Fenech hat nach seiner Verhaftung zumindest Schembri belastet. Der wurde daraufhin in Gewahrsam genommen, sein Haus am Dienstag durchsucht. Maltesische Medien berichten, er werde nun offiziell als „Verdächtiger“ im Fall Galizia geführt. Beweise für seine Schuld gibt es bislang nicht. In den abgehörten Telefonaten zwischen Theuma und Fenech fällt Schembris Name den Medienberichten zufolge nicht, auch andere Beweise für seine Mitschuld am Mord an Galizia gibt es bislang nicht. Allerdings hatte Schembri in der Nacht, bevor Fenech verhaftet wurde, mehrfach mit diesem telefoniert.

Und: Schembri hat zusammen mit Muscat an Briefings der Polizei über die Ermittlungen im Fall Galizia teilgenommen – und hatte so die Möglichkeit, den Stand der Erkenntnisse an den Verdächtigen Fenech weiterzugeben.

Premier Muscat mit Eiern beworfen

Die Regierungskrise auf der Insel spitzt sich entsprechend weiter zu. Neben Schembri waren auch Tourismusminister Mizzi und Wirtschaftsminister Chris Cardona am Dienstag zurückgetreten. Die Korruptionsvorwürfe gegen die Kabinettsmitglieder von Premier Joseph Muscat waren im Grunde seit 2015 bekannt, doch Muscat hält bis jetzt an ihnen fest. Noch am Dienstag hatte er die drei im Parlament in Schutz genommen.

Überall, wo Muscat sich in der Öffentlichkeit zeigte, haben sich in den letzten Tagen De­mons­tran­ten versammelt, die ihn mit Eiern bewarfen und seinen Rücktritt fordern. Muscat äußerte sich am Donnerstag nicht öffentlich.

Die Fraktionsvorsitzenden im EU-Parlament entsandten am Donnerstag eine „Eildelegation“ nach Malta. „Es gibt große Zweifel an der Unabhängigkeit des Justizsystems und schwere Korruptionsvorwürfe in den höchsten Ämtern“, sagte der Grünen-Parlamentarier Sven Giegold.

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