Mord erschüttert US-Demokraten: Superdelegierter erschossen

Bill Gwatney hätte auf dem Parteitag in Denver für Hillary Clinton gestimmt. Jetzt ist der Chef der Demokraten im US-Staat Arkansas einem Attentat zum Opfer gefallen. Das Motiv des Täters ist unklar.

Mit Bill Gwatney haben die Clitons einen ihrer engsten Vertrauten verloren. Bild: dpa

LITTLE ROCK ap Der Vorsitzende der Demokraten im US-Staat Arkansas ist am Mittwoch von einem Mann erschossen worden, der nach Polizeiangaben kurz vorher seinen Job verlor. Bill Gwatney wurde in seinem Büro in der Parteizentrale von Little Rock so schwer getroffen, dass er vier Stunden später im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag. Der mutmaßliche Täter floh mit seinem Wagen und wurde nach einer einstündigen Verfolgungsjagd von Polizisten erschossen.

Gwatney war ein langjähriger Freund von Bill und Hillary Clinton; Bill Clinton war vor seiner Präsidentschaft Gouverneur in Arkansas gewesen. Beim Parteitag der Demokraten Ende des Monats hätte er als Superdelegierter für die im Duell mit Barack Obama unterlegene New Yorker Senatorin gestimmt. Die Clintons reagierten erschüttert und würdigten Gwatney nicht nur als starken Landesvorsitzenden der Demokratischen Partei in Arkansas, sondern auch "als geschätzten Freund und Vertrauten".

Über das Motiv der Bluttat war zunächst nichts bekannt. Mitarbeiter in der Parteizentrale sagten, der mutmaßliche Täter habe zunächst gesagt, er wolle sich als ehrenamtlicher Helfer melden. Dann habe er sich aber rücksichtslos den Weg in Gwatneys Büro gebahnt, aus dem man dann drei Schüsse gehört habe.

Die Polizei sagte, bei dem Verdächtigen handele es sich um einen 50-jährigen Mann ohne Vorstrafen. In seinem Fluchtwagen seien mindestens zwei Handfeuerwaffen gefunden worden. Ersten Ermittlungen zufolge wurde der mutmaßliche Täter am Mittwoch von einem Kaufhaus 50 Kilometer von Little Rock entfernt entlassen, weil er Graffiti auf eine Wand des Geschäfts gesprüht haben soll. Mitarbeiter sagten, der Mann habe gezittert, als er seinen Ausweis abgeben musste.

Auf der Flucht bedrohte der Mann nach Polizeiangaben einen Mitarbeiter der Staatsversammlung der Baptisten von Arkansas, deren Zentrale wenige Häuserblocks von der der Demokraten entfernt ist. Er habe gesagt, er habe seine Arbeit verloren, und weiter geflohen, sagte ein Sprecher der Baptisten.

Auch die republikanische Partei in Arkansas zeigte sich von den Schüssen inmitten des Präsidentschaftswahlkampfes betroffen und schickte als Vorsichtsmaßnahme alle Mitarbeiter in ihrer Parteizentrale nach Hause. "Unsere Herzen sind bei allen in der demokratischen Parteizentrale", sagte die Direktorin der Republikaner in Arkansas, Karen Ray. "Was für eine Tragödie."

Im vergangenen November war ein verwirrter Mann in New Hampshire in ein Wahlkampfbüro Hillary Clintons mit einem mutmaßlichen Sprengsatz aufgetaucht. Er verlangte, mit Hillary Clinton über Zugang zu psychiatrischer Betreuung sprechen zu können. Das Drama zog sich sechs Stunden hin, bis der Mann sich ergab.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de