Mögliche Koalition in Italien

Das Hinterzimmer bei der Arbeit

In Italien mehren sich die Stimmen, die sich für eine Anti-Salvini-Koalition aussprechen. Vorbild ist dabei ausgerechnet Ursula von der Leyen.

Premier Giuseppe Conte und Ursula von der Leyen geben sich vor Euopa- und Italien-Flaggen die Hand

Geht doch! Premierminister Giuseppe Conte koaliert in Rom schon mal mit Ursula von der Leyen Foto: reuters

Zu den Eigenheiten der Italiener gehört, dass sie in politischen Dingen sich entweder ausgiebig auf ihre diesbezüglichen Klassiker von Antonio Gramsci bis Machiavelli beziehen – oder aber politische Begriffe, wie abgehalftert und inhaltsentleert sie auch sein mögen, aus dem nördlichen Ausland importieren.

So war es mit dem Begriff „Grosse Koalition“, für die es durchaus auch einen italienischen Ausdruck gegeben hätte (larghe intese), so mit dem „Jobs Act“, der korrekterweise Billig-Jobs-Act hätte heißen müssen, oder mit der begeisterten Übernahme von „New Labour“, als das schon sehr alt aussah.

Die jüngste Erfindung des Italo-Polittalks ist da durchaus origineller. Von der „Ursula-Koalition“ ist neuerdings die Rede, italianisiert „coalizione Orsola“.

Dahinter versteckt sich die Idee einer neuen Mehrheit in beiden Kammern der italienischen Volksvertretung – einer, die derjenigen im EU-Parlament ähnelt, mit deren Stimmen die deutsche Ex-Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen dann doch noch zur Kommissionspräsidentin gewählt wurde.

Salvini auf der Luftmatratze

Die in der Koalition mit der Lega reichlich zerfledderte Fünf-Sterne-Bewegung (M5S), die zwischen Alt-Boss Renzi und Neu-Chef Zingaretti gespaltene Demokratische Partei (PD) und die dem Salvini-Sog ausgesetzte Forza Italia (FI) des alten Sonnyboys Berlusconi – diese einzeln jeweils schlecht dastehenden Gruppierungen sollen die „Ursula-Koalition“ bilden. Dafür warb am Wochenende sogar Altministerpräsident und PD-Instanz Romano Prodi.

Ein solches Bündnis wäre natürlich wesentlich eine Anti-Salvini-Koalition und hätte mit Ursula auch das Bös-Hinterzimmerartige gemein, das scheinbar den Volkswillen Ignorierende. So sieht es jedenfalls der Westentasche-Duce aus Mailand, der seine handstreichartig von Strandparties aus inszenierte Machtergreifung davonschwimmen sieht.

Salvini gleicht in diesen heißen Tagen ohnehin gerade jenem Landsmann, der am Wochenende vor der kalabrischen Küste auf seiner Luftmatratze einschlief und erst vor Messina in Sizilien wieder aus dem Meer gezogen wurde.

Antifaschistische „coalizione Orsola“

Dass die Ursula-Mehrheit im Parlament wohl kein üppiges Polster hätte, stört übrigens nicht weiter, jedenfalls wenn man sich an die Namensgeberin hält. Die hatte das knappe Ergebnis nach ihrer Wahl mit den Worten kommentiert: „In der Demokratie ist die Mehrheit die Mehrheit.“

Womit sie zweifellos recht hat – und wir mit dem Blick auf das heutige Italien vielleicht sogar eher die „Demokratie“ als die „Mehrheit“ betonen würden, denn die „coalizione Orsola“ wäre ja nicht zuletzt eine antifaschistische. Dass Berlusconi noch mal zu so etwas gut sein könnte, hat wohl auch niemand gedacht.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben