■ Mit der Kaliindustrie auf du und du: Tote Gruben
Berlin (taz/dpa) – In vielen Thüringer Kneipen, wo die Bergleute in DDR-grauer Vorzeit so manchen Schachtschnaps tranken, schwelgen sie nun in bitter-süßen Grubenerinnerungen. Graben – damals unter Tage, heute in der Vergangenheit – scheint ihre Lebensbetätigung geblieben zu sein.
In Thüringen stellten schon vier Bergwerke ihre Förderung ein: Sondershausen, Volkenroda, Solchstedt und Bleicherode. Die Treuhandanstalt als Eigentümerin der Mitteldeutschen Kali-AG und die westdeutsche Kali-und Salz-AG Kassel handelten im Dezember 1992 einen Fusionsvertrag aus, um das Überleben der gesamtdeutschen Kaliindustrie zu sichern. Opfer wurden die ostdeutschen Kumpel. Während den Hessen und Niedersachsen bis 1997 Zeit für den Abbau von 1.700 Arbeitsplätzen eingeräumt wurde, verloren seit 1990 25.000 ostdeutsche Bergleute ihre Arbeit – und das bei schlechterer sozialer Absicherung.
Der Fusion vorausgegangen waren zähe Verhandlungen. Das neue Unternehmen besteht aus insgesamt zehn Kali- und drei Steinsalzwerken. 51 Prozent der neuen Gesellschaft hat die Kali- und Salz-AG Kassel übernommen, mit 49 Prozent ist die Treuhandanstalt beteiligt. Die vor der Fusion stillgelegten Werke der Mitteldeutschen Kali-AG wurden bei der Treuhand zur GVV, der „Gesellschaft für Verwertung und Verwahrung von stillgelegten Bergwerksbetrieben mbH", zusammengefaßt.
Noch beträgt die Arbeitsproduktivität in ostdeutschen Bergwerken 30 Prozent der westdeutscher Betriebe. Trotzdem verstehen viele Kumpel in Ostdeutschland nicht, warum scheinbar nur dort gespart wird. Ihr Gruß „Glück auf!" verstummt immer häufiger – mit ihrer Arbeit verlieren sie auch ihre Identität. Marita Vollborn
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