■ Mit dem starken Yen auf you and you: Taube Notenbanken
Berlin (taz) – Japans neuer Premierminister Morihiro Hosokawa hat Sorgen, um die ihn sein französischer Kollege Balladur beneidet. Hosokawa drückt der starke Yen. Der Yen ist vor allem gegenüber dem Dollar auf absoluter Rekordhöhe. Der Dollar war gestern in Tokioter Wechselstuben für unter 100 Yen zu haben. So billig war er noch nie, bis Januar pendelte er so um die 125 Yen.
Hosokawa ruft die Völker der Welt um Hilfe an. Gemeint sind aber nur die 15 reichsten Industrieländer und auch dort nur die Zentralbanken. Sie sollen alle zusammen helfen, fordert Hosokawa, und möglichst viele Yen verkaufen und dafür Dollar aufkaufen, damit der Yen endlich wieder weniger wert wird.
Man erinnere sich dagegen, was der französische Premierminister Edouard Balladur bis vor zwei Wochen so alles anstellen mußte, um seine Währung teuer zu halten. Viele Milliarden Francs hat seine Notenbank dafür springen lassen und dazu auch noch viele hunderttausend unnötige Arbeitslose in Kauf genommen. Und das alles nur, weil Balladur Angst hatte, man könnte ihm nachsagen, er sei für einen schwachen Franc verantwortlich. „Schwacher Franc“, wie demütigend für einen echten Patrioten.
Und das ist vielleicht der wesentliche Unterschied zwischen Paris und Tokio: Balladur denkt ans Prestige der Grande Nation, Hosokawa an Sony und Toshiba. Niemand hat erwartet, daß nach dem turbulenten Abgang der LDP-Regierung nun die japanische Währung gänzlich ins Trudeln kommen würde. Aber mit einem leichten, exportverbilligenden Währungseinbruch durfte man schon rechnen, zumindest mit einem kleinen Durchhängerchen.
Gerade mal ein paar Tage ist der Neue im Amt, und schon turnt der Yen ganz oben in der Zirkuskuppel. Das ist ein Vertrauensbeweis für den Premier, für die japanische Industrie ist das aber ziemlich gefährlich. Die ohnehin angeschlagene Wirtschaft leidet unter der geringen Inlandsnachfrage. Die japanischen Haushalte haben keine Lust oder keinen Platz mehr, um weitere Camcorder, Kühlschränke et cetera zu kaufen. Durch den teuren Yen gerät nun auch die Export-Industrie unter Druck. Hosokawa geht deshalb mit der alten Formel hausieren, daß der Wechsel- Kurs mit der wirtschaftlichen Situation nichts zu tun habe und reines Spekulationsergebnis sei. Die japanische Wirtschaft sei derzeit schwach, jammert er überall herum, ganz ganz schwach.
Aber auf diesem Ohr sind die europäischen und amerikanischen Notenbanker im Augenblick taub. Natürlich kann die japanische Krise auch der Weltwirtschaft schaden. Doch der starke Yen macht genau das, woran Amerikaner und Europäer in mühsamen Verhandlungen mit japanischen Regierungen immer wieder scheitern: Er begrenzt die japanischen Exporte. Alois Berger
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