■ Mit dem Rio-Folgeprozeß auf du und du: Wald und Arten
Bonn (taz) – Der Waldverlust beläuft sich weltweit auf geschätzte 140.000 Quadratkilometer pro Jahr (doppelt soviel Fläche wie Bayern). Mit dem Wald stirbt die biologische Vielfalt: 80 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten leben in den Regenwäldern. Deshalb wurde der Schutz der Wälder und die Konvention über die Artenvielfalt (Biodiversität) im Rio-Folgeprozeß (UNCED) gemeinsam verhandelt. Anders als beim Klimaschutz liegen hier bereits bindende Abkommen vor.
Doch an der Umsetzung hapert es. Das liegt zum einen daran, daß sich die Länder nicht über die Ausdeutung des Begriffs „nachhaltig“ in der Waldwirtschaft einigen können. Zum anderen wollen die Industrienationen ihre eigene Forstwirtschaft nicht umstellen. Deshalb fordern Umweltgruppen Nachverhandlungen auf der Sondergeneralversammlung der UN im Juni, die den Erfolg des Rio- Prozesses zum Thema hat. Den regierungsunabhängigen Organisationen (NGOs) in Deutschland ist wichtig, daß keine Naturwälder mehr abgeholzt werden. Zudem verlangen sie eine naturnahe Aufforstung bereits gerodeter Waldflächen – diese Forste können wirtschaftlich genutzt werden.
Die Biodiversitätskonvention regelt nicht nur den Schutz der Vielfalt, sondern auch ihre Nutzung durch Gen- und Biotechnikfirmen und die Agrarindustrie. Zwar haben bis heute kleinbäuerliche Gemeinschaften keine dem Patentschutz vergleichbaren Rechte auf ihre traditionellen Nutzpflanzen. Doch können zumindest die Herkunftsländer von wirtschaftlich interessanten Genen deren Ausfuhr verbieten oder dafür Gegenleistungen fordern. Aber es fehlt ihnen an Geld, um ihr Recht auch durchzusetzen.
Auf der New Yorker Versammlung soll die Konvention noch ergänzt werden um ein Protokoll über den sicheren Umgang mit genmanipulierten Organismen. Uwe Kerkow
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