■ Mit dem Ozonsmog auf du und du: Katalysator hilft nicht
Ab heute will das baden- württembergische Umweltministerium in einem Großversuch im Landkreis Heilbronn herausfinden, ob Fahrverbote für Autos ohne Kat und Geschwindigkeitsbegrenzungen den Ozonsmog verringern. In den alten Bundesländern hat sich die Ozonbelastung innerhalb von 15 Jahren verdoppelt, in den vergangenen 100 Jahren hat sie sich verfünffacht. In Heilbronn, einer der autoreichsten Regionen Deutschlands, liegen die Werte sogar über dem Landesdurchschnitt. Auf 1.000 Einwohner im Landkreis kommen 700 Fahrzeuge. Auch die nahe Autobahn A 6 verpestet die Luft. Dort hat das Verkehrsaufkommen in zwölf Jahren um 150 Prozent zugenommen.
Der Katalysator hat an der schlechten Luft nichts geändert. Im Unterland besitzen zwei Drittel der Fahrzeuge einen geregelten Kat. Etwa jeder zehnte davon ist defekt. Und bei den meist kurzen Wegen innerhalb von Heilbronn und Neckarsulm entwickelt der Kat erst gar nicht seine Wirkung. In Deutschland ist die Hälfte aller Pkw-Fahrten kürzer als sechs Kilometer.
Trotz unserer ach so modernen Abgastechniken hat der Ausstoß von Stickoxiden – einer Vorläufersubstanz des Ozons – von 1985 bis 1991 um 80 Prozent zugenommen. Die Bundesregierung wollte ihn von 1985 bis 1995 um 80 Prozent reduzieren.
Der „Sommersmog“ macht die Menschen krank. Vor allem Kinder leiden darunter, bekommen rote Augen oder Atemnot. Ausgerechnet beim schönsten Wetter sollen sie zu Hause bleiben. Die Folgen von hohen Ozonkonzentrationen: Augenbrennen, Kopfweh, gereizte Schleimhäute, Atemwegserkrankungen, Schwindelgefühle und bei längerer Einwirkung: Lungenschäden. Eine Untersuchung des Gesundheitsministeriums in Baden-Württemberg hat ergeben, daß deutlich mehr Kinder in verkehrsreichen Ballungsräumen zu Störungen der Lungenfunktionen neigen als auf dem Land.
Auch die Pflanzen leiden unter den unheilvollen Exkrementen der Autos und der Industrie. Ozon ist zum Beispiel mitverantwortlich für das Waldsterben. Für Dieter Teufel vom Umwelt- und Prognoseinstitut (UPI) in Heidelberg ist das Ozon mittlerweile zum wichtigsten Verursacher des Waldsterbens aufgestiegen. Empfindliche Pflanzen wie Weizen, Kartoffeln und die im Unterland so beliebte Weinrebe sind besonders anfällig für hohe Ozonwerte. Schon befürchtet die Landwirtschaft, daß die heimtückische Sommerplage zu einer Minderung des Ertrags führt. Die Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig hat beobachtet, daß Pflanzen unter Ozoneinfluß früher altern. Die Anstalt hat in einer Versuchsreihe für Sommerweizen und Klee bei heutiger Ozonbelastung eine Ertragseinbuße von zehn bis 20 Prozent gemessen. Ozon ist zudem mit sieben bis zehn Prozent für den Treibhauseffekt mitverantwortlich. Hermann Abmayr
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen