■ Mit Sonnenstrom auf du und du: Alibi spendiert
Berlin (taz) – Es war eine werbewirksame Aktion. Der Stromversorger Bayernwerk hat gestern frisch gedruckte Anteilsscheine an die Eigentümer eines Photovoltaik-Kraftwerks in Unterföhring bei München übergeben. „Bürger für Solarstrom“ nennt der Energieriese das Programm, mit dem private verlustbereite Investoren gesucht wurden. Gefunden hat man schließlich 101 Bürger und Firmen, die Anteilsscheine von 3.250 und 6.500 Mark zeichneten. Sie müssen sich pro Jahr mit der mageren Rendite von 40 oder 80 Mark begnügen.
Von den Aktionären wurden insgesamt 650.000 Mark zur Anlage beigesteuert, das Bayernwerk zahlte 450.000 Mark. Und man habe auf Subventionen verzichtet, freut sich der drittgrößte Stromkonzern der Republik.
Daß das Bayernwerk sich nun zu einem umweltfreundlichen, energiesparenden Konzern entwickelt hätte, darf freilich bezweifelt werden. Denn gleichzeitig betonen die Münchner Energiemanager, an Kernenergie führe kein Weg vorbei. Dieter Seifried vom Freiburger Öko-Institut sieht darin auch eher ein Feigenblatt für den konservativen Konzern: „Eine wirkliche Energiesparpolitik fehlt dem Bayernwerk.“
Gut hundert Kilometer weiter nördlich zeigt sich auch, daß das Bayernwerk weiter Energie verschwenden wird. In Frauenaurach bei Nürnberg will der Stromriese das konventionelle Großkraftwerk „Franken III“ bauen, das 750 Megawatt leistet – 15.000 mal mehr als die Solarzellen in Unterföhring. „Wäre es dem Bayernwerk mit dem Umweltschutz ernst, würden statt dessen sparsame Blockheizkraftwerke gebaut“, meint Dieter Seifried. Der Preis des neuen Kraftwerks zeigt auch, wo das Bayernwerk Investitionsschwerpunkte setzt: „Franken III“ soll zwei Milliarden Mark kosten – fast 2.000 mal soviel wie die Solaranlage bei München. Felix Berth
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