piwik no script img

■ Mit PR-Gags auf du und duRöchel-Ex

Berlin (taz) – Ozon reizt Augen und Schleimhäute, verursacht Kopfweh und verätzt die Lunge bis hin zum Lungenödem. Aber deshalb die für die Bildung des bodennahen Ozons verantwortlichen Schadstoffe vermindern? Nicht nötig. Eine Firma mit breiter Erfahrung bei der Herstellung von Ozon-Killern wie FCKW verspricht Abhilfe. Hoechst proudly presents: NoXon, den Kunststoffilter, der Ozon (O3) in Sauerstoff zurückverwandelt. Atemschutzmasken mit NoXon-Filtern dürften bald nicht mehr auf sich warten lassen. Am rechten Chic für das Accessoir arbeiten die DesignerInnen sicher schon. AutofahrerInnen können aufatmen. Sie brauchen den Fuß nicht mehr vom Gaspedal zu nehmen, wenn eine hypersensible Landesregierung Ozonalarm ausruft. Denn NoXon-Filter in der Auto-Klimaanlage sorgen für unbelastete Luft im Wageninneren. Die Lösung des Ozonproblems lautet dann: Ab ins Auto. Kinder werden dank NoXon-Klimaanlagen in der Schule gerne aufs Spielen im Freien verzichten. PolitikerInnen werden entlastet. Sie brauchen sich endlich nicht mehr um die Luftreinhaltung zu sorgen. Das Ganze ist wachstumskonform, auch Klimaanlagen-Hersteller und Energieerzeuger verzeichnen ein Absatzplus. Ein gigantisches Marktpotential läßt sich erahnen. NoXon als Wandbeschichtung, NoXon auf Sportplätzen, NoXon-imprägnierte Kleidung, ja womöglich NoXon auf Dächern und Fassaden, um ganze Städte vom Ozon zu befreien.

Hoechst jedenfalls verspricht sich von NoXon eine halbe Milliarde Mark jährliche Einnahmen. Auch wenn es sich wohl bloß um die simple Anwendung von Antioxidationsmitteln handelt – wahre Genialität zeigt Hoechst dabei, schon jetzt, anderthalb Jahre bevor die Erfindung überhaupt zum Einsatz kommen soll, Nutzen daraus zu ziehen. Dank einer gelungenen PR-Aktion mitten im Nachrichten-Sommerloch konnten sogar Börsenfüchse von der Hoechstschen Erfindungskraft überzeugt werden. Die Hoechst-Aktie stieg seit Wochenbeginn um 11,50 Mark. Nicola Liebert

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen