Mit Kurs Richtung Syrien: Deutscher Frachter abgetaucht
Das Schiff, das Waffen für Syrien an Bord haben soll, ist nicht mehr zu orten. Die Bundesregierung geht Hinweisen auf Verstoß gegen das Embargo nach.

FRANKFURT/BERLIN dapd/rtr | Der deutsche Frachter „Atlantic Cruiser“ im Mittelmeer ist nicht mehr zu orten. Offenbar wurde der Transponder des Schiffs, das möglicherweise iranische Waffen nach Syrien bringen sollte, abgeschaltet. Auf der Internetseite Marinetraffic.com war die „Atlantic Cruiser“ zuletzt am Samstagmittag zwischen Zypern und Syrien zu sehen. Üblicherweise werden auf der Website die Positionen der Schiffe alle zwölf Stunden protokolliert.
Die Bundesregierung geht unterdessen Hinweisen auf eine illegale Waffenlieferung an die syrischen Streitkräfte nach. „Der Sachverhalt ist der Bundesregierung bekannt“, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums zu einem Bericht von Spiegel Online, dem zufolge der mit Militärgerät und Munition aus dem Iran beladene Frachter im Mittelmeer gestoppt wurde. Das Schiff gehöre einer deutschen Reederei, sei verchartert worden und fahre unter der Flagge eines Drittstaates.
Die EU hatte wegen des gewaltsamen Vorgehens von Präsident Baschar al-Assad gegen die Opposition ein Waffenembargo verhängt. Nach Informationen des Spiegels hatte die „Atlantic Cruiser“ der Reederei Bockstiegel aus Emden vor einigen Tagen im Hafen von Dschibuti von einem iranischen Schiff schweres Militärgerät und Munition für Syrien übernommen. Die Ladung habe am Freitag im syrischen Hafen Taurus gelöscht werden sollen. Als das Geschäft aufzufliegen drohte, habe der Frachter den türkischen Hafen Iskenderum anlaufen wollen, dann aber südwestlich von Taurus angehalten und sei später im Kreis gefahren.
„Wir haben das Schiff gestoppt, nachdem wir Hinweise auf die Waffenladung erhielten“, zitierte der Spiegel den Schiffsmakler Torsten Lüddeke von der C. E. G. Bulk Chartering. Der Frachter sei an die Firma White Whale Shipping im ukrainischen Odessa vermietet worden. Das Unternehmen erklärte über seine Generalvertretung, das Schiff „transportiert keine gefährliche oder militärisch bedeutsame Fracht nach Syrien“.
Eine Koalition, die was bewegt: taz.de und ihre Leser:innen
Unsere Community ermöglicht den freien Zugang für alle. Dies unterscheidet uns von anderen Nachrichtenseiten. Wir begreifen Journalismus nicht nur als Produkt, sondern auch als öffentliches Gut. Unsere Artikel sollen möglichst vielen Menschen zugutekommen. Mit unserer Berichterstattung versuchen wir das zu tun, was wir können: guten, engagierten Journalismus. Alle Schwerpunkte, Berichte und Hintergründe stellen wir dabei frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade jetzt müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Was uns noch unterscheidet: Unsere Leser:innen. Sie müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Es wäre ein schönes Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Comeback der Linkspartei
„Bist du Jan van Aken?“
Soziologische Wahlforschung
Wie schwarz werden die grünen Milieus?
Streit um tote Geiseln in Israel
Alle haben versagt
Nach Taten in München und Aschaffenburg
Sicherheit, aber menschlich
Klimaneutral bis 2045?
Grünes Wachstum ist wie Abnehmenwollen durch mehr Essen
Geiselübergabe in Gaza
Gruseliges Spektakel