Mindestens 50 Tote nach Sprengstoffattentaten: Anschlagserie im Nordosten Indiens

Bombenexplosionen im indischen Bundesstaat Assam fordern mindestens 50 Tote. Bislang gibt es keine Hinweise auf Täter. Eine empörte Menge bewirft Rettungskräfte und Polizisten mit Steinen.

In Gauhati tragen Helfer einen Verletzten vom Ort des Anschlags. Bild: dpa

DELHI taz Das Ausmaß der Anschlagserie in Indiens Bundesstaat Assam ist verheerend: Mindestens 50 Menschen starben, mehr als 300 wurden verletzt, als Unbekannte am Donnerstag zur Mittagszeit innerhalb einer Stunde rund ein Dutzend Sprengsätze zündeten. Es war der größte Terroranschlag, den Indiens Nordosten je erlebt hat.

Die meisten Opfer starben in Gauhati, der größten Stadt Assams. Mehrere belebte Märkte und Plätze lagen in Schutt und Asche. Eine Bombe explodierte direkt neben einem voll besetzten Bus. Augenzeugen berichten, der Bus sei anschließend in Flammen aufgegangen. Mehrere Passanten hätten sich bei dem Versuch, Überlebende zu bergen, schwerste Brandverletzungen zugezogen. Auch über den anderen Anschlagsorten lag noch Stunden später dichter Rauch. Dutzende Autowracks zeugten davon, wie gewaltig die Detonationen gewesen sein müssen. Trümmer lagen überall verstreut, Blutlachen waren auf den Straßen, Fenster der umliegenden Gebäude waren zersplittert.

Weitere Menschen wurden verletzt, als es unmittelbar nach den Anschlägen in mehreren Stadtteilen Gauhatis zu schweren Ausschreitungen kam. Ein aufgebrachter Mob attackierte Feuerwehrwagen und Rettungsdienste, die zu den Anschlagsorten geeilt waren, und warfen Steine auf Polizisten. Die Demonstranten warfen der Regierung vor, sie habe nicht genug getan, um den Terroranschlag zu verhindern. Selbst eine sofort verhängte Ausgangssperre beruhigte die Lage erst nach mehreren Stunden.

Bis Donnerstagabend bekannte sich niemand zu der Tat. Die Landesregierung machte die "Vereinigte Befreiungsfront Assam" (Ulfa), die größte militante Unabhängigkeitsgruppe des Bundesstaats, dafür verantwortlich. Ihre Kämpfer greifen seit Ende der 70er-Jahre immer wieder Staatsvertreter an und attackieren Armee und Paramilitärs. Auch zahlreiche politische Morde werden der Ulfa angelastet. 2005 und 2006 verhandelte die Regierung in Delhi mehrfach ergebnislos mit den Rebellen. Zumindest beruhigte sich die Lage in Assam danach etwas.

Seit einigen Monaten nimmt die Gewalt wieder zu. In den vergangenen zwei Monaten gab es in Assam drei kleinere Anschläge, bei denen fünf Menschen starben. Im Bundesstaat Manipur starben vergangene Woche bei einer Bombenexplosion 17 Menschen. Auch in Manipur kämpfen militante Gruppen für die Loslösung von Indien.

Politiker und Journalisten spekulierten jedoch auch darüber, die Harkat-ul-Jihad-al-Islami (HuJI), eine radikale Islamistengruppe, die von Bangladesch und Pakistan aus operiert, könnte hinter der Tat stecken. Denn vor vier Wochen war es in Assam zu Pogromen gegen muslimische Einwanderer aus Bangladesch gekommen. Mitglieder eines Volksstamms machten Jagd auf Bangladescher und führten in Städten und auf dem Land ethnische Säuberungen durch. Mindestens 50 Menschen kamen dabei ums Leben. 150.000 Menschen verloren bei den Ausschreitungen ihr Hab und Gut und sind seither auf der Flucht.

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