piwik no script img

Mindestens 2.000 Mark sind gefordert

■ Verkäuferinnen fordern einen Mindestlohn für alle

Berlin (taz) —Wieviel braucht Frau mindestens zum Leben? Die Gewerkschaft HBV gibt darauf in ihrer diesjährigen Tarifforderung für den Einzelhandel eine Antwort: 2.000 Mark Mindesteinkommen fordert sie für die Verkäuferinnen und Kassiererinnen, für die Versand- und Lagerarbeiter/innen, die zu den am schlechtesten bezahlten Beschäftigten der westdeutschen Wirtschaft gehören. Zu Beginn der siebten Verhandlungsrunde im Bezirk Nordrhein-Westfalen lagen die Positionen der Tarifparteien noch weit auseinander: Die HBV forderte eine Lohn- und Gehaltserhöhung von zehn Prozent, mindestens aber 300 Mark. Die Arbeitgeber dagegen boten 6,7 Prozent. Mit diesem Angebot aber würde, so HBV-Sprecher Claus Eilrich zur taz, das Lohngefälle zu anderen Bereichen, die wie die Metallindustrie mit durchschnittlich sieben Prozent abgeschlossen haben, nur noch verstärkt. Ein neues Angebot der Arbeitgeber für die TarifgruppeI liegt jetzt bei 7,05 Prozent.

Mit ihrer Sockelforderung will die HBV eine deutliche Strukturverbesserung zugunsten der Verkäuferinnen durchsetzten. Sie ist in den verschiedenen Bezirken so angesetzt, daß überall die 2.000-Mark-Grenze überschritten würde. Außerdem will sie eine tarifpolitische Sackgasse öffnen. Schon nach fünf Berufsjahren haben Verkäuferinnen die höchste Gehaltsstufe erreicht, in der sie dann ihr ganzes weiteres Arbeitsleben bleiben. Die Gewerkschaft will hier zumindest bei besonders verantwortlichen Tätigkeiten eine Öffnungsklausel für die nächsthöhere Tarifgruppe durchsetzen. Die Arbeitgeber des Einzelhandels schwimmen im Geld. Nicht zuletzt durch die deutsche Einheit konnten sie ihre Umsätze um durchschnittlich elf Prozent steigern. Die Aktionsbereitschaft der Verkäuferinnen in den Kaufhäusern und Filialketten ist hoch: „Wir müssen verrückt sein. Soviel Arbeit. Für so wenig Geld.“ Mit diesem abgewandelten Karstadt-Werbespruch hat die HBV Baden-Württemberg die Beschäftigten erfolgreich zu befristeten Warnstreiks aufgerufen. Auch in Nordrhein-Westfalen wurden weitere Streikaktionen für den Fall angekündigt, daß die gestrigen Verhandlungen ohne Erfolg bleiben. marke

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen