Milchpreis immer noch zu niedrig: Milchbauern demonstrieren wieder

Trotz Milchgipfel im Sommer hat sich die Lage für die Produzenten kaum verbessert. Etwa 35 Cent bekommen sie für den Liter Milch.

Landwirte demonstrierten letzte Woche vor dem Sitz des Westfälisch-Lippischen Landwirtsschaftsverbandes WLV in Münster für höhere Milchpreise. Bild: dpa

BERLIN taz Die Milchbauern gehen wieder auf die Straße, um gegen den immer noch zu niedrigen Milchpreis zu demonstrieren. Am Donnerstag will der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) drei- bis fünftausend Demonstranten in Berlin zusammentrommeln, um seiner Kernforderung Nachdruck zu verleihen: In Deutschland muss weniger Milch produziert werden, damit das Überangebot nicht die Preise ruiniert.

Darüber hatte der rebellische Verband im Juli, zusammen mit anderen Bauernverbänden, dem Lebensmitteleinzelhandel und Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) auf dem Milchgipfel verhandelt. Am Montag stimmt der Agrarausschuss des Bundesrates über die damals ausgehandelten Regelungen ab - etwa darüber, ob die Molkereien auch weiterhin die Liefermengen der einzelnen Bauern gegeneinander aufrechnen dürfen. Oder mit welchem Faktor der gelieferte Liter Milch in der Molkerei in Kilogramm umgerechnet werden muss. Kleine Details, große Wirkung: Würde der Umrechnungsfaktor erhöht, bekämen die Bauern mehr Geld pro Liter Milch - wohl aber würden sie auch schneller ihre Quote erfüllen. Das würde vor allem größere Betriebe mit großen Liefermengen betreffen.

Allerdings sieht es so aus, als ob von den Forderungen des BDM im Bundesrat nicht viel übrig bliebe. Zwar unterstützt Bayern die vor allem kleineren Milchbauern.

Baden-Württemberg aber sieht sich mit seiner ablehnenden Haltung in guter Gesellschaft. Landwirtschaftsminister Peter Hank (CDU) argumentiert, die Milchquotierung der EU laufe 2015 sowieso aus und werde durch stetige Quotenerhöhungen bis dahin faktisch außer Kraft gesetzt. "Da macht es keinen Sinn, an kleinen Stellschrauben zu drehen", sagt Thomas Deines, Sprecher im Stuttgarter Agrarministerium. Vielmehr müsse im Rahmen des Gesundheits-Checks der EU-Agrarpolitik dafür gesorgt werden, dass Milchbauern in schwierigen Lagen Beihilfen erhielten.

Auch der deutsche Bauernverband steht den Forderungen des BDM ablehnend gegenüber. "Es macht keinen Sinn, in Deutschland die Produktion zu senken", sagt Sprecher Michael Lohse, dann würden die Milchbauern aus dem Ausland den deutschen Markt bedienen. Zu steigenden Preisen hier würde das also nicht führen.

Derzeit sieht es allerdings eher so aus, als würden die Milchbauern wieder schlechter bezahlt. Etwa 35 Cent bekommen sie für den Liter Milch. Doch gibt es derzeit "sehr viel Milch auf dem Markt, und die Verbraucher haben ihren Konsum eingeschränkt", sagt Hubertus Pellengahr, Sprecher beim Hauptverband Deutscher Einzelhandel. "In der Theorie führt das eher zu fallenden Preisen."

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