Meeresschutz: Gestresste Wale

Auf dem Meeresumwelt-Symposium in Hamburg diskutierenExperten, wie sich der zunehmende Lärm unter Wasser reduzieren lässt

Macht auch unter Wasser Lärm: die Nordsee-Bohrinsel Mittelplate Bild: dpa

HAMBURG taz | „Wir müssen für den wachsenden Bereich der maritimen Wirtschaft langfristige und verlässliche Rahmenbedingungen vorhalten“, sagte Monika Breuch-Moritz, Präsidentin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) am Dienstag auf dem 23. Meeresumwelt-Symposium in Hamburg. „Wir müssen gleichzeitig Regelungen und Auflagen definieren, die die Meere schützen und der Wirtschaft dennoch ausreichende Entwicklungsmöglichkeiten geben.“

Auf dem BSH-Symposium präsentieren mehr als zwei Dutzend ReferentInnen aus Wissenschaft, Naturschutz und Behörden neueste Forschungsergebnisse über Offshore-Windkraft, Schifffahrt, Fischerei, Küstenschutz und eben auch Meeresmüll – und versuchen, sich auf Handlungsempfehlungen für die Politik zu einigen.

Die Grundfrage, was zu schützen sei und was genutzt werden dürfe, zeigt sich exemplarisch am Ausbau der erneuerbaren Energien auf dem Meer. Der Baulärm bei der Errichtung von Offshore-Windparks hat „ein großes Verletzungs- und Störungspotenzial für marine Säugetiere, Fische und andere Meeresbewohner“, sagt die Biologin Karin Lüdemann.

Die Errichtung von Offshore-Windparks ist eine der größten Lärmquellen im Meer.

Rammung: Zur Verankerung der Anlagen werden Stahlpfähle mit mehreren Metern Durchmesser in den Meeresgrund gerammt. Pro Pfahl sind bis zu 8.700 Schläge erforderlich.

Lautstärke: Der Schallpegel erreicht in 750 Meter Umkreis über 170 Dezibel - das ist deutlich lauter als ein Presslufthammer oder ein startender Düsenjäger. Der Grenzwert liegt bei 160 Dezibel.

Auswirkungen: Bei Fischen in der Nähe kann das zum Tod führen. Für Seehunde und Schweinswale können schwere Schädigungen der Hörsinne und des Sonarsystems eintreten.

Beim Bau des Windparks Alpha Ventus vor Borkum wurden Schallemissionen von mehr als 170 Dezibel gemessen. Damit wurden die zulässigen Grenzwerte deutlich überschritten. Zudem würden, so Lüdemann, bei neuen Windparks die Pfahldurchmesser größer werden, damit würde auch der Lärm bei Rammungen noch größer.

Die Auswirkungen von Unterwasserschall wurden im Sommer 2012 an mehreren Stellen in der Ostsee untersucht. Dabei wurde tiermedizinisch nachgewiesen, so Henrike Seibel von der Tierärztlichen Hochschule Hannover, dass der dort ohnehin schon vorhandene Lärm zu deutlichen Stressreaktionen bei Schweinswalen und Seehunden führt. Der lauteste Ort in der Ostsee ist der stark frequentierte Schiffsweg im Fehmarnbelt mit durchschnittlichen Werten von fast 120 Dezibel, die nahezu ausschließlich aus dem Schiffsverkehr stammen.

Noch deutlich lauter ist es dort, wo Windparks in den Meeresboden gerammt werden. Nur mäßig erfolgreich sind die bisher eingesetzten Methoden, um den Lärm zu mindern. So lässt sich mit Blasenschleiern der Schallpegel um zwölf bis 15 Dezibel senken, hat Lüdemann errechnet. Dabei werden Ringschläuche auf dem Meeresboden rund um die Rammstelle ausgelegt, aus denen dichte Wolken aus Druckluft aufsteigen.

Auch andere Methoden bieten nach ersten Erkenntnissen keinen besseren Schallschutz. Daraus folgert Lüdemann, „dass die Einhaltung der Grenzwerte ausgesprochen schwierig, aber möglich ist“. Nur ist selbst das ein bisher ungelöstes Problem: Auch bei Lärm im erlaubten Rahmen werden Schweinswale im Umkreis von mindestens acht Kilometern vertrieben.

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