Medien-Bezahlinhalte im Netz: Noch kein großer Erfolg

Die Medien-Verlage tasten sich im Kampf gegen die ihnen verhasste Kostenloskultur im Internet vor. Für Leser bedeutet das Umstellung - oder ein Umgehen der Bezahl-Schranken.

Nur mit zweieinhalb von fünf Punkten bewertet: App der "Bild"-Zeitung für das iPhone. Bild: dpa

BERLIN taz | Seit Mitte Dezember versuchen deutsche Verlage, das Zeitalter der Bezahlinhalte einzuläuten. Die "Kostenloskultur" des Internet müsse, so heißt es seit Jahr und Tag in Sonntagsreden, endlich aufgebrochen werden; nun probiert man es auch aus. Ob der Ansatz, der von Bezahlschranken auf Websites bis hin zu eigenen iPhone-Anwendungen reicht, funktionieren kann - vieles ist noch unklar. Doch erste Reaktionen gibt es inzwischen. Beim Axel Springer Verlag, wo seit Mitte Dezember die Regionalteile von "Berliner Morgenpost" und "Hamburger Abendblatt" in Paid Content verwandelt wurden, liegen Zahlen vor.

Ein Megaerfolg lässt sich da noch nicht erahnen. Wie der Branchendienst "Horizont" meldet, wurden in knapp fünf Wochen insgesamt 1000 Abonnements generiert. Zu 7,95 Euro im Monat macht das hochgerechnet also eine Jahreseinnahme von 95.400 Euro inklusive Mehrwertsteuer - für einen Verlag wie Springer eher ein Tropfen auf den heißen Stein und keine Chance, wegbrechende Abo- und Werbeerlöse zu ersetzen.

Vielleicht liegt die geringe Annahmerate ja daran, dass es nach wie vor gleich mehrere Wege gibt, die Bezahlschranken zu umgehen. Dass das möglich ist, hatte man bei Springer von vorne herein eingeräumt - offensichtlich im Bemühen, die Zugriffszahlen, die bereits jetzt abschmelzen, nicht vollkommen abrutschen zu lassen. So reicht es bei "Morgenpost" und "Abendblatt" aus, einfach die Überschrift eines den Nutzer interessierenden Artikels zu googeln. Klickt man auf den Link, erscheint die Vollversion. Genauso frei und ohne Bezahlinhalte sind die Mobilversionen ("mobil.abendblatt.de", "mobil.abendschau.de") der beiden Regionalblätter.

Ein ähnliches Modell, nämlich die Vermischung bezahlter und kostenloser Inhalte je nach Zugangsweg, plant auch die "New York Times". Dort soll ein so genannter Metered Access eingeführt werden, der eine bestimmte Anzahl von Gratis-Artikeln pro Tag erlaubt. Aber auch hier wird es zahlreiche Umgehungswege geben: Suchmaschinenbesucher und Menschen, die Links aus Blogs oder Twitter folgen, haben weiter freien Zugang.

Eventuell wird ja Apple mit seinem unlängst vorgeführten Tablett-Rechner iPad zum Retter der Verlage. Dafür ist genauso wie bereits für das iPhone ein eigener Inhalte- und Software-Laden geplant. Springers seit Ende letztem Jahr verfügbare iPhone-Programme sind in Apples deutschem App Store augenscheinlich erfolgreich - so führt "BILD" seit Wochen die bezahlten Nachrichten-"Top-Apps" an, während "WELT MOBIL" zumeist Platz drei stellt. Laut Verlagsangaben von Mitte Januar entspricht das 100.000 bezahlten Downloads.

Die Bewertung durch die Nutzer ist mit aktuell zweieinhalb ("BILD") beziehungsweise zwei ("WELT MOBIL") Punkten von maximal fünf allerdings mies. Ein Grund dürfte sein, dass sich viele User anfangs veralbert vorkamen: Die aktuell verlangten 0,79 ("BILD") beziehungsweise 1,59 Euro ("WELT MOBIL") sind eine Art Einstiegsdroge, nach einem Monat muss man per Tastendruck zwischen 1,59 Euro und 4,99 Euro löhnen, um weitere vier Wochen auf die Inhalte zugreifen zu können.

Einen dicken Vorwurf muss sich bei alldem allerdings auch Apple machen lassen: Noch gibt es keine Rubrik in der App-Store-Anzeige, in der Abobedingungen konkret hervorgehoben sind. Stattdessen müssen sich die User durch die Textwüsten der Programmbeschreibung wühlen oder werden schlimmstenfalls erst dann informiert, wenn eine App "ausläuft". Immerhin bieten sich derzeit noch keine Gelegenheiten für Abofallen: Die weitere Benutzung (und Bezahlung) eines Programms muss stets erneut bestätigt werden, das Einziehen beispielsweise monatsweiser Beträge ist bislang von Apple nicht vorgesehen.

Ein Problem, das man bislang nur von Spielen und Anwendersoftware kannte, betrifft derweil nun auch die Printverlage: Raubkopien ihrer Apps. So tauchte nur wenige Wochen nach dem Erscheinen von "BILD" eine schwarze Version auf einschlägigen iPhone-Kopier-Plattformen auf. Noch gibt man sich bei Springer locker: "So etwas lässt sich nie völlig ausschließen", sagte ein Sprecher gegenüber einem Mediendienst, der Umfang des Schadens sei noch gering. Man werde versuchen, das Problem mit Updates zu lösen, die einen Missbrauch verhinderten.

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