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Mauerspechte in Panik

■ Grenzsoldat: „Die Leute machen uns zum Kasper“ Jedes Krümelchen Beton findet seinen Liebhaber

DDR-Bausoldaten haben seit Sonntag abend rund 140 Meter Mauer zwischen dem Reichstagsgebäude und dem Brandenburger Tor abgerissen. Ein Offizier der Grenztruppen sagte gestern, jede Nacht würden 70 weitere Meter demontiert. Die „dicke Mitte“ vor dem Tor komme zuletzt dran. Damit meinte der Soldat den in einem Halbkreis vor dem Tor liegenden Wall, der mit je drei Metern Dicke und Höhe zum stärksten Teil der über 160 Kilometer langen Grenzbefestigung um West-Berlin gehört. Die DDR will bis Ende März die zwei Kilometer Mauer vom Reichstag bis zum Checkpoint Charlie abbrechen und durch einen Drahtzaun ersetzen. Auf der Strecke, auf der die Mauer bereits fehlt, hat Ost-Berlin provisorische Gitter aufgestellt, die etwa 1,20 Meter hoch sind. Der Grenzsoldat sagte, er finde den endgültigen Fall der Mauer „in Ordnung“. Nur besser organisiert hätte die Aktion sein können. Unter Anspielung auf die Neugierigen, die jetzt relativ frei von West nach Ost wechseln, sagte er: „Daß die Leute alle hier durchgehen und uns zum Kasper machen, hätte nicht sein müssen.“ Der Großabriß hat die „Mauerspechte“ unterdessen in Zeitnot gebracht. Sie hämmern ununterbrochen, um sich noch die begehrten Mauerstücke mit Graffiti-Farbe zu ergattern. Sammler, die auf einen vergessenen Brocken Beton hoffen, werden allerdings enttäuscht. Jeder kleinste Krümel, den die nur nachts arbeitenden Baukolonnen auf dem Boden liegen lassen, ist fest in der Hand der Beton-Bröckchen-Händler.

ap

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