: Marxistisch-monetaristische Inflationslehre
■ betr.: "Inflation: Wird die DM eine weiche Währung?", taz vom 9.4.92
Betr.: „Inflation: Wird die DM eine weiche Währung?“,
taz vom 9.4.92
Bravo! Jetzt ist auch die taz endlich auf die staatstragende marxistisch- monetaristische Inflationslehre gekommen. Staatsverschuldung ist bäh, weil dann nur Inflation kommt, und bei Inflation verliert Oma ihr klein Häuschen im Tausch gegen ein Pfund Butter. Das also sollen wir jetzt bei fünf Prozent jährlicher Preissteigerungsrate fürchten: Oma hat nichts anderes zum Tauschen mehr, steht sozusagen nackt in ihrem Haus und wünscht sich nichts sehnlicher, als ein Pfund Butter statt rohe Runkelrüben zu futtern. Ach, Donata! Vielleicht hängen die Preissteigerungen manchmal auch vom Verhältnis Angebot und Nachfrage ab. Gehen nicht auch die Mieten in die Berechnung der Inflationsrate ein? Das liegt natürlich alles an der Staatsverschuldung, die die Geldmenge stärker steigen läßt als das Sozialprodukt. Laß das bloß nicht die Bauern hören, die immer weniger Geld für ihr Rindfleisch bekommen!
Auch nennt Donata einen wirtschaftlichen Abschwung nicht mehr eine Rezession und vier Prozent Wachstum sind — ganz im Regierungsdeutsch — ein „Boom“, also ein überschäumendes Wachstum des Sozialprodukts. Na gut, meinetwegen, realsozialistische Erfolgsmeldungen haben wir ja immer etwas skeptischer aufgenommen als möllemanische Schönfarberei. Meinetwegen soll sich der Mölle ins Männchen lachen angesichts solcher realtazzischer Anbiederung an die herrschende Meinung.
Doch ich kann es verstehen, daß die taz auf solche Erklärungsmuster ausweichen muß. Seit olle tazzen lieber „Sie“ zu ihren LeserInnen sagt, gehen die Grünen zu den Schwarzen. Da ist die Frage dann nicht mehr erlaubt, ob wir nicht vielleicht trotz hoher Zinsen in der keynesianischen Liquiditätsfalle sitzen, oder warum mehr mit Grund und Boden spekuliert wird, als in produktive Anlagen investiert wird. Doch damit's nicht eine destruktive Meckerei auf Donatas Rücken wird, ein Vorschlag: Macht doch mal ein Forum mit der Frage, welche Alternative es zum CSPDU-Konsens in der Geldpolitik gibt. Christian Sternberg, Bonn
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